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Trennung auf Zeit

In vielen Beziehungen kommt irgendwann der Punkt, an dem man merkt, dass es so wie bisher nicht weitergeht. Der Alltag hat überhand genommen, ein Partner beginnt zu klammern oder die Interessen scheinen sich weit von einander weg zu bewegen. Manchmal sieht einer oder beide Partner nur noch eine Lösung: Wenn man wieder zueinander finden will, braucht die Beziehung eine Auszeit.

Offene Gespräche über die eigenen Gefühle können bisweilen zu einer Beziehungspause führen, die nicht immer zwangsläufig das „Aus“ für die Liebe bedeuten muss. Ist man sich über die Problematik innerhalb der Partnerschaft jedoch nicht einig, fühlt sich oft einer der Partner vor den Kopf gestoßen. „Was habe ich falsch gemacht?“, „Warum willst du mich verlassen“ oder die Frage nach einem Dritten im Bunde steht dann im Raum.

Die Liebe ist jedoch eine ganz besondere Kraft, die sich nicht erzwingen lässt. Nach einem zumeist schleichenden Prozess muss einfach eine Wende herbei geführt werden. Eine Trennung auf Zeit kann dabei die Wende bringen, wenn beide Partner bereit sind, sich aktiv auf diese Beziehungspause einzulassen.

Alles nur aus Liebe?

Innerhalb der Partnerschaft agiert jeder Mensch anders: Während der eine vielleicht Probleme hat, seine Gefühle dem Partner zu verdeutlichen, schwillt der andere über vor zahlreichen Ideen für ausgefallene Liebesbeweise. Bisweilen vermittelt dieser „Überschuss an Liebe“ dem Partner jedoch auch, dass man mindestens genauso viel „zurückgeliebt“ werden will – was schnell überfordert.
Zumeist möchte man dem Gegenüber nur das Beste bieten, ihn verwöhnen und alles abnehmen. Schwierig wird das jedoch, wenn dabei die eigenen Wünsche und Vorstellungen an eine Beziehung derart viel Platz einnehmen, dass der Partner nur noch eine „Rolle“ in diesem „Spiel“ einnimmt. Wer lange Zeit allein gelebt hat, fühlt sich in der Vereinnahmung durch den Partner oft nicht wohl – was nichts mit den Gefühlen zu tun hat.

Die Sorge, den Partner wegen seiner übertriebenen Fürsorge zu verletzen, lässt viele Verliebte zu Beginn der Partnerschaft schweigen. Doch wenn irgendwann die gemeinsame Freizeit nur noch allein verplant wird und kein Platz mehr für die Entfaltung der persönlichen Interessen (Hobbys, Freunde, etc.) bleibt, ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Seele um Hilfe schreit. Auch wenn der Partner einem immer wieder erklärt: „Das mach ich alles nur aus Liebe!“.

Trennung

Trennung @iStockphoto/Ridofranz

Ausbruch aus dem goldenen Käfig

Die Entscheidung für eine Trennung auf Zeit ist nicht über Nacht getroffen. Dieser Entscheidung geht in der Regel eine umfangreiche Überlegung über das Pro und Contra einer Partnerschaft voraus. Wäre man sich sicher, dass man der Partnerschaft keine Chance mehr gibt, würde man sich offen und endgültig trennen. Stattdessen birgt eine Beziehungspause die Chance für einen Neuanfang. Offene Gespräche helfen, die Problematik zu durchleuchten, die Pause selbst gibt hingegen beiden Partnern die Zeit, ihre Gefühle zu überprüfen („Vermisse ich ihn/sie oder genieße ich die neue Freiheit?“), aber auch an der eigenen Aktivität innerhalb der Partnerschaft zu arbeiten. Dies gilt insbesondere für denjenigen, der mit dem „Liebesüberfluss“ kritisiert wurde. Jemand der spürt, dass er das ganze Leben nur noch auf den Partner ausgerichtet hat und in der Beziehungspause „vor dem Nichts“ steht, hat sicherlich ebensolchen Grund, seine Liebesbeweise zu überdenken, wie derjenige, von dem angeblich zu wenig Gefühl ausging. Somit bietet die Trennung auf Zeit für beide Seiten ungeahnten Chancen der Überprüfung – die bei entsprechender Anpassung an die Bedürfnisse des Partners in eine neue, deutlich schönere Partnerschaft münden können.

Alte Verhaltensmuster aufbrechen

Damit die Partnerschaft wirklich eine neue Chance erhält, sollte man sich und dem Partner einen festgelegten Zeitraum schenken. Innerhalb dieser Zeit kann man den Kontakt wahlweise ganz einschränken, aber auch Kontaktzeitpunkte pflegen, indem man beispielsweise wöchentlich telefoniert, um zu hören, wie es dem anderen geht bzw. wie es einem selbst geht, wenn man ihn bzw. sie wieder hört.
So wie die Partnerschaft schleichend in diese Phase der Auszeit geführt hat, so benötigt auch die Veränderung Zeit, um sich manifestieren zu können. Das Drängen des Partners endlich zurückzukehren hilft in der Regel nur wenig. Ein „eingeengter“ Partner wird sich auf diese Art und Weise eher in der Trennung bestärkt fühlen und im Anschluss eigene Wege gehen wollen. Die größte Liebe hat keine Chance, wenn man ihr die Luft zum Atmen nimmt.

Entsprechend müssen alte Verhaltensmuster durchbrochen werden und man selbst wieder zu sich selbst finden: Als Person, nicht als Liebender. Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, kann in eine liebevolle Beziehung zurückfinden, in der für die Bedürfnisse beider Partner Platz ist. Sonst wird die nachfolgende Rückkehr ebenfalls nur auf Zeit sein.

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