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Väter in Karenz

Jeder braucht mal eine Pause. Dass gerade Männer sich diese Auszeit gönnen, indem sie die ihnen zustehende Erziehungszeit nehmen und sich fortan um die Erziehung des Nachwuchses kümmern, war und ist immer noch eine Ausnahme und wird von nicht wenigen Arbeitgebern argwöhnisch betrachtet. Männer sehen sich im Berufsleben mitunter gerne als Macher und Entscheider oder auch als Abwickler. Als Wickler indes verstehen sie sich selten, denn Baby-Windeln sind nicht selten Fallstricke, gerade wenn man nicht so recht weiß, wie man sie und sich mit dem schreienden und zappelnden Nachwuchs anlegen soll.

Dabei wäre es doch so einfach, die im knallharten Berufsleben erworbenen Fähigkeiten auch als Familienmanager einzusetzen und sich damit nicht zuletzt auch in einer Pionierrolle die immer noch von Frauen beherrschte Domänen Haushalt und Erziehung zueigen zu machen. Letztendlich bedeutet Erziehungszeit für Väter ja auch, neue Impulse zu setzen, die Zeit mit den Kindern und natürlich auch den Haushalt neu gestalten zu können. Abläufe optimieren, Stauräume nutzen, Effizienz beim Einkauf: Wer möchte bestreiten, dass dies in jedem Fall große Herausforderungen sind, die über das Wickeln und Fläschchen wärmen hinaus gehen.

Rolle rückwärts?

Sabbating – dieser Begriff beschreibt einen vor allem in den USA häufigen Langzeiturlaub, den Uni-Professoren als erstes einführten, um dem Lehrbetrieb den Rücken und sich selbst neuen Forschungsgebieten zuwenden zu können. Sich an neue Aufgaben trauen und damit alt gewohnte Gebiete und Sicherheit gebende Routine verlassen: Wer möchte bezweifeln, dass nicht zuletzt auch dieses Denken viele Männer daran hindert, den Erziehungsurlaub für sich in Anspruch zu nehmen. Die Angst, nach dieser Zeit den Anschluss verloren und damit auch an Kompetenz, Autorität und Marktwert verloren zu haben sind Motive, die nicht nur Frauen in der Erziehungszeit begleiten. Dass mitunter vor allem die so wichtigen social und soft skills im täglichen Umgang mit dem Kind und Institutionen wie Kindergarten, Spielplätzen und Sandkästen ausgebaut werden, entgeht vielen Vätern. Aus der Rolle zu fallen bedeutet wohl nicht umsonst auch, sich in einem anderen Zustand wiederzufinden.

Vater in Karenz

Vater in Karenz @iStockphoto/Igor Stepovik

Zu- und Aufstand

Der Status Quo der klassischen Rollenverteilung innerhalb der Familie war nie ein in Stein gemeißeltes Gesetz. Der Aufstand der Väter – also das Sich-Erheben vom Fernseh- und Bürosessel mitten hinein in jenen Erziehungsalltag, dem nicht wenige von ihnen Guerillakrieger gleich bisher aus dem Weg gingen – ist in vollem Gange. Wenn auch mitunter kleine Hindernisse wie jenes in der Männerwelt weit verbreitete Klischee des Weicheis überwunden werden müssen, haben die Väter sich bereits erhoben und laufen zielbewusst auf jenes zu, was Frauen quasi per Biologie zugestanden wird: Die Lust daran, sich in der Geborgenheit der eigenen vier Wände und nicht zuletzt auch in der Liebe zum eigenen Nachwuchs zu verlieren. Die Angst und Gewissheit, dass bei zunehmender Bedeutung des Kindes die Wichtigkeit des Jobs abnehmen wird, ist latent. Schnellstmöglich zurück in den Beruf zu wollen – dieses feste Vorhaben wird nicht selten vom überwältigenden Gefühl von Liebe für das eigene Kind aufgeweicht und relativiert, zunehmend auch bei Männern. Trotzdem bleiben noch einige Barrieren. So verdienen Frauen im Schnitt immer noch weniger als Männer in vergleichbarer Position. Dennoch werden Verdienstausfälle zumindest teilweise durch das Elterngeld aufgefangen und einen Abschlag von 100-200 Euro für eine ungestörte Zeit mit dem eigenen Nachwuchs nehmen mehr und mehr Väter in Kauf.

Väter in Erziehungszeit – Österreich

Auch jenseits der Alpen ist die Bereitschaft der Väter in Erziehungsurlaub zu gehen noch zurückhaltend. Vor allem sind es finanzielle Gründe, die als Rechtfertigung dienen. Dass der Verdienst der Partnerin nicht reiche, um den Lebensunterhalt zu bestreiten – dieses Argument hat die österreichische Regierung nun versucht zu entkräften, indem sie die Zahlung des Kinderbetreuungsgeldes von 30 auf 36 Monate erhöhte. Dabei ist weiterhin eine größtmögliche Flexibilität der abwechselnden Betreuung von Vätern und Müttern gegeben. Wenn auch das monatliche Betreuungsgeld noch Korrekturen nach oben bedürfte, sind dennoch entscheidende Anreize gegeben.

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