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Verweildauer von Zahnimplantaten

Zahnimplantate sind in vielen Fällen die beste und ästhetisch optimale Art des künstlichen Zahnersatzes, jedoch auch mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Daher fragen sich viele Patienten, die sich für eine solche Behandlung entscheiden, zurecht, wie lange ein Implantat eigentlich hält und wann es ersetzt werden muss. Modernste Techniken, die Verwendung von biokompatiblen Materialien und höchste Qualitätsstandards garantieren heute eine maximale Verweildauer von Zahnimplantaten, die mitunter ein Leben lang halten können. Allerdings ist der jeweilige Patient genau wie auch der behandelnde Zahnarzt oder Implantologe maßgeblich an der Haltbarkeit der künstlichen Zahnwurzel beteiligt. Die Verweildauer von Zahnimplantaten hängt daher von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren ab, die im Folgenden näher erläutert werden sollen.

Was bedeutet Verweildauer von Zahnimplantaten?

Die Haltbarkeit eines Implantats bezieht sich nicht auf das Material, also die künstliche Zahnwurzel selbst, sondern deren Verweildauer in Kiefer und Zahnfleisch sowie deren Benutzbarkeit und Belastbarkeit. Der Kieferknochen fungiert wie bei einer natürlichen Zahnwurzel als Fundament des Implantats und beeinflusst daher maßgeblich die Haltbarkeit. Eine maximale Verweildauer der künstlichen Zahnwurzel ist nur dann gegeben, wenn die Qualität des Kieferknochens, wie sie zum Zeitpunkt des Eingriffs vorlag, erhalten bleibt. Während das Implantat selbst durch die Bakterien- und Säureresistenz der Materialien Titan und Keramik keine begrenzte Haltbarkeit aufweist und sich in seiner Beschaffenheit auch nach Jahrzehnten nicht wesentlich verändert hat, sind der Kieferknochen und das Gewebe des Zahnfleisches gesundheitsbedingten Schwankungen unterworfen, die durch die Ernährung und den Lebensstil sowie die allgemeine gesundheitliche Verfassung ebenso beeinflusst werden wie durch die Mundhygiene und die Zahnpflege.

Die Ergebnisse verschiedenster Studien, die in den letzten drei Jahrzehnten zur Verträglichkeit und Haltbarkeit von Zahnimplantaten durchgeführt wurden, belegen eine äußerst hohe Erfolgsquote in Bezug auf die Lebensdauer künstlicher Zahnwurzeln im Vergleich zu Wurzelfüllungen, Kronen und Brücken. Während Implantate bei durchschnittlich etwa neunzig Prozent aller Probanden nach der Phase der kompletten Einheilung noch nach zehn Jahren nichts von ihrer Funktionstüchtigkeit eingebüßt haben, sind bei anderen zahnästhetischen Verfahren nach derselben Zeitspanne nur zwischen fünfzig und achtzig Prozent der Fälle immer noch erfolgreich. Daher ist das Zahnimplantat auch trotz der vergleichsweise hohen Kosten auf lange Sicht gesehen die wirtschaftlich sinnvollste Alternative, da neben den regelmäßigen Besuchen beim Zahnarzt kaum Wartungsarbeiten anfallen. Zudem werden die eigenen Zähne durch das Implantat geschützt und erhalten, da der Zahnarzt nicht wie bei Brücken und Kronen wertvolle Substanz der Nachbarzähne abtragen muss, was unvermeidbar zu Schäden und möglicherweise zum Verlust der natürlichen Zähne führt. Daher sind Zahnimplantate bei optimalen Rahmenbedingungen nicht nur für die Haltbarkeit des Zahnersatzes selbst, sondern auch für die Langlebigkeit der eigenen Zähne von Vorteil. Bestimmte Faktoren sind jedoch ausschlaggebend, um den langfristigen Erfolg und eine maximale Lebensdauer des Implantats zu sichern. Hierzu zählen die vollständige Einheilung der künstlichen Zahnwurzel, die Beschaffenheit des Kieferknochens, eine fachgerechte Durchführung des operativen Eingriffs, die Erfahrung des behandelnden Arztes oder Implantologen sowie der Gesundheitszustand und die Mundhygiene des Patienten.

Verweildauer von Zahnimplantaten

Verweildauer von Zahnimplantaten @iStockphoto/chris sadowski

Biokompatibiliät und Osseointegration

Zahnimplantate werden heute ausschließlich aus Titan und mehreren hochmodernen Keramik-Arten hergestellt, die eine hohe Biokompatibilität aufweisen. Diese bezeichnet die Eigenschaft des Zahnersatzes, bei Kontakt mit menschlichem Gewebe wie etwa Knochenmaterial oder Zahnfleisch keine Unverträglichkeits- oder Abstoßreaktionen hervorzurufen. Zahnimplantate aus Keramik und Titan schädigen bei sachgemäßer Behandlung nicht die lebenden Zellen des umliegenden Gewebes und wirken nicht schädigend auf deren natürliche Stoffwechselprozesse ein. Dadurch kann gewährleistet werden, dass die künstliche Zahnwurzel nach einer gewissen Periode der Einheilung, die in der dentalmedizinischen Fachsprache als Osseointegration bezeichnet wird, fest mit dem Kieferknochen, der umgebenden Knochenhaut und dem Zahnfleisch verwachsen kann und dadurch bei optimalen Rahmenbedingungen eine lange Haltbarkeit im Kiefer aufweist. Können sich die Gewebszellen mit der Oberfläche des Titan- oder Keramikimplantats verbinden, ist die beste Voraussetzung dafür gegeben, dass die künstliche Zahnwurzel mehrere Jahrzehnte lang fest im Knochengewebe verankert bleibt kann und auch starken Kaubewegungen und regelmäßiger Belastung standhält.

Qualität und Quantität des Kieferknochens

Eine vollständige Osseointegration kann nur dann erfolgen, wenn das Knochengewebe gesund ist und eine ausreichende Menge davon zur Verfügung steht, die dem Implantat Halt und Platz bietet. Der Kieferknochen besteht wie jedes Knochengewebe aus der Kompakta, der festen äußeren Schicht und dem schwammartigen inneren Material, der Spongiosa. In dieser befinden sich die lebenden Knochenzellen, die für die Osseountegration verantwortlich sind. In der Spongiosa müssen daher ausreichend lebende Zellen vorhanden sein, die an die Oberfläche des Implantats heranwachsen und für eine langfristig feste Verankerung zwischen Titan oder Keramik und dem Knochengewebe sorgen. Ist wenig Spongiosa vorhanden, kann es bei der Einheilung ebenso zu Problemen kommen wie bei zu harter und fester Kompakta. Da die Knochendichte im Oberkiefer grundsätzlich geringer ist als im Unterkiefer, sind im Unterkiefer gesetzte Implantate im Durchschnitt auch etwas langlebiger.

Für die feste Verankerung und daraus resultierend die langfristige Stabilität des Implantats spielen sowohl die horizontal vorliegende Knochenmenge, als auch das vertikale Knochenangebot eine entscheidende Rolle. Um ein langfristig erfolgreiches Implantat, das einen durchschnittlichen Durchmesser von etwa vier Millimetern aufweist, setzen zu können, muss der Arzt eine Knochenstruktur vorfinden, die die künstliche Zahnwurzel auf allen Seiten etwa ein bis zwei Millimeter breit einfassen kann. Ein erfahrener Implantologe wird für jede zur Verfügung stehende Knochenmenge das passende Implantat auswählen, wobei ein größeres Implantat nicht unbedingt eine längere Verweildauer bedeutet, weil dadurch unter Umständen Beeinträchtigungen der Durchblutung und der Nährstoffversorgung der Zellen eintreten können. Hat sich die Knochenstruktur entzündungsbedingt zurückgebildet oder ist durch Osteoporose geschwächt, muss ein Knochenaufbau erfolgen, um die Langlebigkeit des anschließend gesetzten Implantats zu gewährleisten. Auch wenn durch eine solche medizinische Maßnahme die Qualität des natürlichen Knochengewebes kaum erreicht werden kann, bietet die Möglichkeit des Knochenaufbaus wesentlich bessere Grundvoraussetzungen für die Verweildauer eines Implantats.

Der richtig gewählte und positionierte Zahnersatz

Die sorgfältige Planung des Eingriffs durch einen Spezialisten bildet die Basis für die Stabilität und Haltbarkeit des Implantats. Daher sollten Patienten einen Arzt auswählen, der über modernste Diagnostikverfahren und technische Ausstattung sowie über eine jahrelange Erfahrung verfügt. Ein erfahrener Implantologe wird die richtige Position im Kieferknochen wählen, damit das Implantat günstig platziert werden kann und nicht gekippt steht. Damit der künstliche Zahn wie ein natürlicher verwendet werden kann und kräftigem Beißen und Kauen langfristig standhält, muss eine ausreichende Implantatfläche im Kieferknochen verankert werden. Der Aufbau muss eine axiale Belastungsrichtung beinhalten, um das Risiko für Lockerungen oder einen Bruch der Schraube so gering wie möglich zu halten und dadurch eine mögliche Implantatfraktur zu verhindern. In vielen Fällen wird einer starken Abwinklung der Aufbauteile durch eine Verblockung entgegengewirkt. Nur ein möglichst gerades Abutment gewährleistet eine lange Verweildauer des Implantats. Die passende Überkonstruktion muss auf die künstliche Zahnwurzel zudem so befestigt werden, dass es nicht zu Einschränkungen bei täglichen Implantatpflege kommt, denn nur ausreichende, regelmäßige und gezielt durchgeführte Hygiene- und Pflegemaßnahmen schützen vor einer Entzündung des Implantats, einer sogenannten Periimplantitis, die die größte Gefahr für die Verweildauer der künstlichen Zahnwurzel darstellt. Ein seriöser Zahnarzt oder Implantologe arbeitet eng mit dem Labor zusammen, um eine optimale Planung und Fertigung der Überkonstruktion zu gewährleisten. Durch eine enge und fachlich kompetente Kommunikation mit dem Labor wird er in Absprache mit dem Patienten ein nach ästhetischen und medizinischen Gesichtspunkten zufriedenstellenden Ergebnis erzielen.

Die Mundhygiene als wichtige Voraussetzung für den Erfolg

Nach dem fachgerecht durchgeführten Eingriff durch den Implantologen liegt es zum überwiegenden Teil am Patienten, die lange Haltbarkeit des neuen Implantats zu gewährleisten. Nach der ersten Phase der Osseointegration, die eine besonders sanfte Pflege erfordert, muss der Patient auf eine penible und regelmäßig durchgeführte Zahn- und Implantatpflege achten, um die Entstehung von Entzündungsherden im Gewebe um die künstliche Zahnwurzel zu verhindern. Nur wenn der Zahnfleischring, der das Implantat umgibt, gesund, widerstandsfähig und infektionsfrei gehalten wird, kann er der künstlichen Zahnwurzel ausreichenden Schutz bieten. Werden Plaque, bakterielle Zahnbeläge und Zahnstein nicht gründlich beseitigt, können Bakterien, die das Zahnfleisch besiedeln, tief in den Kieferknochen wandern und in der Umgebung des Implantats eine Periimplantitis auslösen, die oft zum Verlust des Zahnwurzelersatzes führt. Daher muss jeder Träger eines Implantats durch sorgfältige und konsequente Mundhygiene dafür sorgen, dass das Risiko für eine Entzündung im Kiefer so gering wie möglich gehalten wird. Der behandelnde Arzt wird dem Patienten genaue Anweisungen geben, welche Pflegemaßnahmen durchzuführen sind, um die Haltbarkeit des Implantats zu gewährleisten. Auch eine regelmäßig durchgeführte professionelle Zahnreinigung gewährleistet eine gute Mundhygiene und sollte mindestens im Zuge der halbjährlichen Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen werden. Nur durch eine professionelle Zahnreinigung werden auch Zahnbeläge beseitigt, die durch die tägliche Pflege nicht erreicht werden können.

Ein gesunder Lebensstil für ein langlebiges Implantat

Neben der Behandlung und Betreuung durch einen erfahrenen Fachmann ist auch der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten von entscheidender Bedeutung. Nicht nur Beeinträchtigungen der Knochendichte wie etwa bei Osteoporose wirken sich negativ auf die Verweildauer eines künstlichen Zahnersatzes aus, auch andere Faktoren begünstigen oder verschlechtern die langfristige Prognose.
Zu den Erkrankungen, die eine große Gefahr für die Langlebigkeit eines Implantats darstellen können, zählen Parodontitis, durch Krankheiten oder Medikamenteneinnahme verursachte Immunschwächen, nicht erkannter oder behandelter Diabetes mellitus und andere Stoffwechselstörungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Nierenschäden und rheumatische Beschwerden. Wer ein Implantat besitzt, sollte bewusst auf seine Gesundheit achten und im Falle einer Einnahme von Arzneistoffen auf Cortison-Basis, Zytostatika oder Biophosphonaten mit dem behandelnden Arzt sprechen, denn solche Medikamente stören den Knochenstoffwechsel und schädigen dadurch auch den Kieferknochen.

Ein gesunder Lebensstil und eine ausgewogene, vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung leisten einen wesentlichen Beitrag zur Langlebigkeit eines Zahnimplantats, der oft unterschätzt wird. Parodontitis entsteht meist durch einen Mangel an Vitamin C und kann daher verhindert werden, indem frisches Obst und Gemüse regelmäßig in den Speisplan integriert werden. Zu den größten Risikofaktoren für die Langlebigkeit eines Implantats zählt Rauchen, da Nikotinkonsum die Osseointegration behindern kann und zu einem frühzeitigen Verlust des Implantats führen kann. Bei Rauchern ist die Verlustquote deutlich erhöht, weshalb viele Implantologen in solchen Fällen keine Garantie für die Langlebigkeit der künstlichen Zahnwurzel übernehmen. Auch wenn letztlich die Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten das Risiko einer fehlerhaften Osseointegration bestimmt, sollten sich Träger von Implantaten darüber bewusst sein, dass nur der Verzicht auf Nikotin eine jahrzehntelange Verweildauer ihres künstlichen Zahnersatzes sichern kann.

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