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Viren – raffinierte Krankheitserreger im Eiweißmantel

Krankheitserreger sind auch in unserer modernen Gesellschaft, die sich immer wieder mit ihrem hohen hygienischen Standard brüstet, allgegenwärtig. Viren sind dabei nur ein Teil der Mikroorganismen, die den Menschen auf dem Weg aus der afrikanischen Savanne in die Wolkenkratzer begleitet haben. Was verbirgt sich aber hinter einem Virus?

Im Gegensatz zu Bakterien handelt es sich bei Viren um einen Parasiten, der nur aus zwei Komponenten besteht: Der Erbinformation und einer Hülle. Letztere besteht aus Proteinen, wird als Kapsid bezeichnet und kann von einer zusätzlichen Virushülle umgeben sein. Aufgrund der einfachen Bauweise verfügt ein Virus über keinen eigenständigen Stoffwechsel. Um sich fortpflanzen zu können, ist deshalb eine Wirtszelle notwendig, in welche der Virus die Erbinformation einschleusen kann. Dazu verlässt die DNS oder RNS ihr Kapsid und wird zu einem Bestandteil des Erbgutes der Wirtszelle. Letztere nimmt anschließend die Produktion neuer Viren auf, anstatt ihrer ursprünglichen Aufgabe nachzugehen. Dabei muss die Wirtszelle keinesfalls damit rechnen, aufgrund der Übernahme durch einen Virus abzusterben. In einigen Fällen gehen Parasit und Wirt eine Verbindung ein, die zum Teil über einen sehr langen Zeitraum anhalten kann. Beispielsweise nisten sich Herpesviren über mehrere Jahre in Nervenzellen ein und sichern damit ihr eigenes Überleben.

Was bietet Schutz gegen einen Virus?

Die Palette der Erkrankungen, die durch Viren ausgelöst werden, reicht von einem einfachen Schnupfen bis hin zu lebensbedrohlichen Krankheiten, die am Ende zum Organversagen führen können. Kann man sich aber vor dieser gefährlichen Wirkung eines Virus schützen? Einen wichtigen Abwehrmechanismus gegen Viren bildet der Körper selbst. Sobald er nämlich den Angriffen dieser Mikroorganismen ausgesetzt ist, entstehen am Ende einer Abwehrkette sogenannte Antikörper. Diese dienen dem Zweck der Erkennung bestimmter Antigene und sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Allerdings sind Neugeborene nur mit einem begrenzten Arsenal dieser Antikörper ausgestattet. Erst durch den Kontakt mit entsprechenden Viren bildet sich eine gewisse Immunität heraus.

Um einer gefährlichen Infektion bereits früh entgegenwirken zu können, hat die Wissenschaft das Mittel der Schutzimpfung entdeckt. Damit lässt sich eine Immunisierung erreichen, ohne dass die Patienten jemals mit dem Virus infiziert wurden. Allerdings reagieren Viren auf eine höchst effiziente Art und Weise gegen diese Form der Immunisierung – sie mutieren einfach. Durch den Austausch einzelner Gensequenzen entsteht ein neuer Virenstamm, dessen Schwachstellen erst wieder neu aufgedeckt werden müssen. Aufgrund dieser Tatsache dauert der Kampf gegen tödliche Viren, aber zum Beispiel auch gegen das Grippevirus, bis in die Moderne an.

Viren

Viren @iStockphoto/luk cox

Therapie einer akuten Virusinfektion

Aus einer Infektion mit Viren ergeben sich für den therapeutischen Ansatz schwerwiegende Probleme. Da ein Virus lediglich aus Hülle und Erbgut besteht und über keinen eigenen Metabolismus verfügt, können auch keine Medikamente eingesetzt werden, die normalerweise bei zellulären Organismen zum Einsatz kommen. Am Beginn einer Behandlung stehen aber in jedem Fall diagnostische Verfahren. Neben der Anamnese, also dem Feststellen der Beschwerden, gibt die körperliche Untersuchung dem Arzt bereits erste Hinweise auf das Vorliegen einer viralen Infektion. Besonders wichtig sind die Symptome für die Feststellung des Ansteckungszeitpunktes und einer Diagnose der Heilungschancen. Natürlich sind die äußerlich erkennbaren Symptome nur ein Hinweis auf eine mögliche Infektion. Erst durch Blutuntersuchungen lässt sich abschließend klären, um was es sich wirklich handelt.

Ist klar, dass ein Virus für die Symptome verantwortlich ist, erhalten Betroffene Medikamente, deren Wirkung darin besteht, die Fortpflanzung der Viren zu verlangsamen und damit ihre Ausbreitung zu hemmen. Für die Herstellung dieser Virostatika muss die Wissenschaft große Anstrengungen unternehmen, da die Medikamente immer nur bei bestimmten Virenstämmen ihre volle Wirksamkeit entfalten können. Ein wirksames Medikament, welches letztlich für die Vernichtung der Viren sorgt, ähnlich einem Antibiotikum bei Bakterien, existiert für Viren leider nicht. Aufgrund dieser ernüchternden Tatsache sollte deshalb bereits früh eine wirksame Barriere gegen den Angriff dieser Parasiten aufgebaut werden – mithilfe einer Schutzimpfung.