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Weiße Haut: Blass is beautiful

Jahrhunderte lang war es der Trend schlechthin: Blasse Haut wurde hoch geschätzt und galt als Zeichen für Vornehmheit und Eleganz. Heutzutage sind wir einem anderen Trend ausgeliefert: Braune Haut wird mit Ausgeglichenheit, Dynamik und Selbstbewusstsein assoziiert, sodass bereits Teenager in Massen die Sonnenstudios der Nation stürmen. Ein Schönheitsideal, das nicht ganz ungefährlich ist: Das Risiko an Hautkrebs zu erkranken steigt enorm mit der intensiven Nutzung der künstlichen Sonne. Auch Selbstbräuner, die oftmals als gesundheitsfreundliche Alternativ angepriesen werden, sind nicht immer unproblematisch: Zu oft findet sich in den Cremes Formaldehyd. Der Süßstoff Dihydroxyaceton (DHA) hingegen, der die oberen Schichten der Haut tönt, gilt als unbedenklich.

Aber wie kam es generell zu dem Wandel dieser Schönheitsideale? Und warum war eine blasse Haut, die heute mit Krankheit, Abgeschlafftheit und Müdigkeit verbunden wird, vor gar nicht allzu langer Zeit so modern?

Braunsein = Faulsein

Den Trend zur sonnengebräunten Haut gibt es noch gar nicht so lange: Erst in den 1960er Jahre wurde die Bräune langsam modern. Das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre hatte es möglich gemacht: Immer mehr Personen konnten sich einen Urlaub in den sonnenverwöhnten Mittelmeerstaaten – alle voran Bella Italia – leisten. Sich in der Sonne rekeln, sich entspannen und von dem Alltag zuhause fliehen: Braune Haut gehörte plötzlich einfach dazu – auch um den daheimgebliebenen Nachbarn und Freuden zu demonstrieren, dass man es sich leisten konnte, in den Urlaub zu fahren und dort nicht viel mehr zu tun als sich an der frischen Luft zu entspannen.

Blass ist vornehm

Jahrhunderte lang zuvor war es genau umgekehrt: Hier war die Blässe ein Zeichen dafür, dass man besseren und wohlhabenden Kreisen angehörte. Die Logik hierbei: Wer blass ist, zeigt, dass er nicht draußen schuften muss, sondern es sich leisten kann, zuhause kultivierten Freizeitaktivitäten nachzugehen. Braune Haut wurde mit der Arbeit im Freien und somit mit Bauern verbunden – die, daran hat sich wenig geändert, generell als wenig elegant eingestuft wurden.

Weiße Haut

Weiße Haut @iStockphoto/Bob Thomas

Blässe um jeden Preis

Ähnlich wie sich heute zahlreiche Frauen und Männer mit Selbstbräuner zu Leibe rücken gab es in Zeiten der Renaissance, des Barocks und sogar bis in das 20.Jahrhundert hinein eine Vielzahl von Mittelchen, die helfen sollten, das damals gültige Schönheitsideal zu erreichen: Pülverchen, Seifen und sogar aggressive Bleichmittel hatten in den feineren Kreisen Hochkonjunktur. Welche absurden Knospen auch diese Schönheitsvorstellung trieb ist zum einen daran zu erkennen, dass die Mittelchen trotz ihrer offensichtlichen gesundheitsgefährdenden Nebenwirkungen verwendet wurden und zum anderen, dass hierbei selbst die Praktikabilität eine untergeordnete Rolle spielte. Ein interessantes Beispiel hierfür: Das Gesichtsemailleverfahren, bei dem der Trägerin zwar einen ebenmäßiger Teint verliehen wurde, der allerdings seinen Tribut forderte: Lachen war nicht möglich. Die Bewegung der Gesichtsmuskeln hätten die Maske abbröckeln lassen – der Putz und somit der schöne Schein wären passe gewesen. Ganz zu schweigen davon, dass die Inhaltsstoffe – Arsen und Blei – nun wirklich nicht für ihre gesundheitsfördernde Wirkung bekannt sind.

Vergleicht man den Wahn, mit dem damals und mit dem heute den jeweils gültigem Schönheitsideal hinterher gejagt wird, wird eins deutlich: Der absolute Wille zur Schönheit schaltet nicht selten das Gehirn aus. Wir sollten uns also nicht absolut einem Schönheitsideal unterwerfen – auch blasse Haut kann schön sein, zumal sie um einiges gesünder ist als der extreme Bräunungswahn.

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