Skip to main content

Wenn die Zecken wieder zwicken

Sobald im Frühling die ersten Sonnenstrahlen Flora und Fauna aus ihrem winterlichen Dornröschenschlaf wecken, werden auch kleine Blutsauger wieder aktiver. Jahr für Jahr warnen Experten vor den Gefahren, die von Zecken ausgehen. Wie aber gelangt der Holzbock, wie die Zecke hierzulande auch genannt wird, überhaupt an Blut?

Glaubt man dem Volksmund, lässt sie sich einfach von Bäumen auf ihre Opfer fallen. Wer beim nächsten Spaziergang im Wald immer wieder verstohlen nach oben blickt, sollte seine Aufmerksamkeit stattdessen lieber auf den Boden richten. Schildzecken gelangen nämlich über Gräser, Farne und kleine Büsche auf die Körper ihrer Opfer, indem sie sich einfach abstreifen lassen. Bevorzugte Wirte der Parasiten sind vor allem Wild- und Haustiere wie Katzen und Hunde, die im Sommer oft unter diesen blutsaugenden Insekten leiden.

Ein Zeckenbiss kann trotz der geringen Größe des Übeltäters auch dem Menschen gefährlich werden. Schuld ist die Übertragung unterschiedlicher Krankheiten wie der Frühsommer-Meningoenzephalitis , kurz als FSME bezeichnet, oder der Lyme-Borreliose. Bei dieser handelt es sich um eine Infektion mit Bakterien, den Borrelien aus der Gruppe der Spirochäten, die vor allem durch das Auftreten einer Gelenkentzündung gekennzeichnet ist. Daneben sind aber auch Symptome möglich, die eher an eine Grippe erinnern. Eines der wichtigen Anzeichen, welche auf das Auftreten einer Borrelieninfektion hindeutet, ist die typische Rotfärbung und ein Jucken der Hautpartie rund um die Bissstelle. Für Betroffene stellt die Lyme-Borreliose zwar in den wenigsten Fällen eine akut lebensbedrohliche Erkrankung dar, sollte aber bei den ersten Anzeichen bereits behandelt werden, da es im weiteren Verlauf zu einer ständigen Zunahme im Schweregrad der Symptome kommt. An einen Bluttest, über den eine Lyme-Borreliose nachgewiesen wird, schließt sich die Behandlung mit Antibiotika an. Da eindeutige Daten zur Verbreitung der Borreliose fehlen und dieses Krankheitsbild auch keiner Meldepflicht unterliegt, sind abschließende Aussagen zur Rate der Neuinfektionen nur anhand von Schätzungen möglich, aber es kann davon ausgegangen werden, dass pro Jahr etwa 60.000 neue Fälle auftreten. Für eine wirksame Therapie ist es natürlich wichtig, eine Lyme-Borreliose schnell zu erkennen. Für Deutschland selbst kann man von einem Nord-Süd-Gefälle ausgehen, was die Zahl der übertragenden Zecken betrifft. Während in den Küstenregionen lediglich wenige Prozent einer Zeckenpopulation mit Borrelien verseucht sind, steigt die Zahl nach Süden an und erreicht dort im Durchschnitt etwa 50%.

Zecke

Zecke @iStockphoto/Eric Delmar

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis handelt es sich um ein Krankheitsbild, das durchaus lebensgefährliche Ausmaße annehmen kann. Es handelt sich um eine Erkrankung, die unter anderem von einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute begleitet werden kann. Typischerweise treten nach etwa ein bis zwei Wochen Symptome auf, die einer Grippe ähneln. Neben Kopf- und Gliederschmerzen berichten Patienten über Fieber und Erbrechen. Bleibt es dabei, können sich die Betroffenen glücklich schätzen. In einem Teil der Fälle greift die Krankheit auf das Gehirn über und kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, die von Kopfschmerzen und Fieber bis hin zu Lähmungserscheinungen sowie Bewusstseinstörungen reichen können. Glücklicherweise existiert seit einigen Jahren eine entsprechende Schutzimpfung gegen diese gefährliche Virusinfektion. Innerhalb Deutschlands sind besonders die südlichen Landkreise Bayerns und Baden-Württembergs als Risikogebiete ausgewiesen. Aber auch in den östlichen Landkreisen der neuen Bundesländer muss mit einer Infektion gerechnet werden. Einwohner und Reisende sollten sich deshalb mit einer Impfung schützen.

Um einem Zeckenbiss vorzubeugen empfiehlt sich bei Wald- und Wiesenspaziergängen das Tragen von Kleidung, welche die Beine bedeckt. Zudem sollte man sich nach Ausflügen gründlich kontrollieren, um das Risiko zu minimieren, einen blinden Passagier mitzubringen. Sollte der Fall eintreten, dass eine Zecke sich bereits festgebissen hat, so muss diese schnellstmöglich entweder mit einer Zeckenzange oder einer einfachen Pinzette entfernt werden. Auf keinen Fall darf dagegen Öl oder andere angebliche Wundermittel zum Einsatz kommen. Diese sorgen lediglich dafür, dass eine Zecke im Todeskampf noch einmal große Mengen Sekret absondert.