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Wir wollen zweites Kind – oder etwa doch nicht?

Wenn das erste Kind immer selbständiger wird und immer mehr allein bewältigt, keimt in vielen Eltern der Wunsch nach einem zweiten Kind. Verklärte Erinnerungen an einen rosigen Säugling verschleiern alle Querelen der ersten Monate, oft stand auch von vorneherein ein zweites Kind auf dem Familienplan. Die Entscheidung für eine „Zweitauflage“ wird nun allerdings auch vom Geschwisterkind in spe getragen.

Wollen wir?

Mittlerweile wissen die Eltern, was es bedeutet ein Kind zu haben. Auch wenn beim zweiten Kind vielleicht alles etwas routinierter abläuft – ein Spaziergang wird es wohl dennoch nicht. Entscheidend ist, dass beide Partner sich einig sind. Die halbherzige Zustimmung einer „Partei“ kann für die spätere Erziehungsarbeit fatale Folgen haben. WIR wollen, und WIR übernehmen die Verantwortung – anderenfalls sollte der Wunsch vielleicht noch etwas reifen.

Seid ihr verrückt?

Außenstehende nehmen eine zweite Schwangerschaft nicht immer mit Begeisterung auf. „Wie wollt Ihr das denn schaffen? Noch ein Kind in diese Welt setzen? Vernachlässigt bloß das erste Kind nicht! Könnt ihr Euch das leisten?“ Über all diese Fragen haben sich die Eltern wohlweislich ihre Gedanken gemacht und danach ihre Entscheidung getroffen. An dieser sollten die Ansichten Dritter nichts ändern. Begegnen Sie Zweiflern und Schwarzmalern mit einem Lächeln!

Ganz schnell! Oder lieber noch warten…?

Ein heiß umstrittener Punkt ist der Altersabstand zwischen beiden Kindern. Schnell aufeinanderfolgende Schwangerschaften verlangen dem Körper der Mutter viel ab, und das Aufziehen zweier Kleinkinder ist ein gewaltiger Kraftakt. Dafür sind die Kinder sich später zumindest altersmäßig nah genug, um miteinander spielen zu können. (Was allerdings kein Garant ist…) Je weiter die Geburten auseinander liegen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, im Grunde zwei Einzelkinder zu haben. Dafür konnten die Eltern schon wieder ein wenig das eigene, normale Leben genießen und Energie tanken. Ein Abstand von 3 bis 5 Jahren gilt daher als günstig, bei sehr viel größeren Distanzen fällt die Umstellung eventuell schwer.

Zweites Kind

Zweites Kind @iStockphoto/Aldo Murillo

Plötzlich ist das „Kleine“ das „Große“…

Für das Erstgeborene ist die Ankunft eines Geschwisters ein äußerst einschneidendes Erlebnis. Eben war man noch der Mittelpunkt der Familie, und nun muss man seine Eltern, deren Zeit und Zuwendung teilen. Viele Kinder geraten hier in große innerliche Not. Von außen wird Freude über den Neuankömmling erwartet, aber eigentlich will man diesen Konkurrenten gar nicht mehr haben. Die Eltern sind hier gefordert, eine abrupte „Entthronung“ zu vermeiden. Besonders größere Kinder kann man schon etwas auf die bald veränderte Familienstruktur vorbereiten. Stets sollte man dem Kind vermitteln, dass es keinen Liebesentzug zu befürchten hat. Natürlich erfordert es viel Einsatz beider Eltern, aber auch nach Ankunft des Babys hat das Erstgeborene ein Recht auf „Alleinzeit“ mit seiner Mutter. Keinesfalls darf das „Große“ glauben, das „Kleine“ sei als Ersatz gekommen, weil die Eltern vielleicht enttäuscht oder unzufrieden mit ihm waren. Geschwister lernen früh, mit Mitstreitern umzugehen, ihr Sozialverhalten entwickelt sich entsprechend. Auch die Wünsche und Träume der Eltern für den Nachwuchs werden nicht nur auf ein Kind fixiert, sondern verteilen sich. Liebe allerdings, Aufmerksamkeit, Verständnis und Konsequenz lassen sich nicht einfach halbieren. Wahrscheinlich reichen sie deshalb problemlos für mehr als einen Sprössling.

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