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Zahnersatz im Ausland

Probleme mit den Zähnen sind in der Regel nicht nur schmerzhaft, sondern kosten oft auch noch viel Geld. Zahnersatz ist teuer, kein Wundern also, dass jeder achte Mensch in Deutschland Zahnlücken hat, die er aus finanziellen Gründen nicht schließen lässt. Neben der Ästhetik können fehlende Zähne aber auch Probleme mit dem Gebiss verursachen. Kaubeschwerden und schiefe Nachbarzähne sind die Folge. Viele Menschen entscheiden sich genau aus diesen Gründen oft für einen Zahnersatz aus dem Ausland. Ungarn, Polen und die Türkei sind beliebte Reiseziele für alle, die einen fehlenden Zahn günstig ersetzen lassen möchten. Zwar ergeben sich aus solche Behandlungen auch mehr Risiken, als bei einem Zahnersatz beim Stamm-Zahnarzt, angesichts des günstigen Preises lockt es aber immer mehr Menschen dafür ins Ausland. Doch welche Risiken geht man wirklich ein, welche Länder sind ratsam und auf was muss man als Patient besonders achten?

Warum ins Ausland für den Zahnersatz?

Polen, Ungarn und Tschechien sind die beliebtesten Länder für günstigen Zahnersatz. Zahnärzte bieten dort Prozente von bis zu 90 Prozent an, durchschnittliche kann ca. die Hälfte der Kosten, die in Deutschland aufkommen würden, gespart werden. Der Grund für diese günstigen Preise liegt hauptsächlich im Lohnniveau der Länder. Auch Materialkosten und Mieten sind günstig. Zahlreiche Reisebüros bieten mittlerweile Urlaubsreisen in beliebte Niedriglohnländer an, um dort eine Zahnsanierung durchführen zu lassen. Deutschsprachige Praxen sind vor allem in der Türkei und Mallorca zu finden. Hier liegen die Preise etwas über Ländern wie Tschechien und Polen, die Kosten für Löhne und Mieten sind aber immer noch günstiger als in Deutschland, was eine Zahnbehandlung dort für den Patienten lohnend machen kann.

Wie steht es um die Qualität?

Bislang gibt es nur wenige Studien zum Thema Qualität von im Ausland erworbenem Zahnersatz. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Rheinland-Pfalz (MDK) hat in einer kleinen Befragung 60 Menschen untersucht, die ihren Zahnersatz im Ausland einsetzen ließ. Das Ergebnis: Nur 25 Prozent aller Patienten war mit ihrem Zahnersatz wirklich zufrieden. Bei vielen behandelten Kronen war es fraglich, ob diese überhaupt medizinisch notwendig waren. Mehr als die Hälfte aller Brücken waren laut der Gutachter so minderwertig gearbeitet oder eingesetzt, dass sie ausgetauscht werden müssen. Auch die Stiftung Warentest hat 1100 Menschen zu dem Thema Zahnersatz befragt. Der Großteil der Patienten, die ihre Brücken oder Kronen im Ausland einsetzen und anfertigen ließen, wählten Ungarn als favorisiertes Behandlungsland. Pauschalreisen, die die komplette Zahnbehandlung waren dabei beliebt, auch gerne gewählt werden Praxen, die von Freunden als positiv bewertet wurden. Rund 20 Prozent aller Patienten berichteten von Problemen mit dem neuen Zahnersatz, diese Quote ist in Deutschland allerdings ähnlich hoch. Alle, die keine Probleme mit ihrem Zahnersatz hatten, bewerteten ihre Erfahrung als positiv und würden ein Angebot erneut nutzen.

Welche Rolle spielt die Krankenkasse?

Es ist gesetzlich geregelt, dass eine ambulante Behandlung für Patienten grundsätzlich in jedem EU-Staat möglich ist. Dafür ist keine Genehmigung oder vorherige Einwilligung der Krankenkasse von Nöten. Allerdings ist der Umgang mit ausländischen Rechnungen noch nicht einheitlich geregelt. Man sollte deshalb vor dem Besuch des Zahnarztes im Ausland immer seine Krankenkasse aufsuchen und sich beraten lassen. Prinzipiell gilt aber: Die Krankenkasse erstattet jede Leistung, die auch in Deutschland erstattet werden könnte. Ist die Rechnung im Ausland teurer, springt der Patient für die Differenz ein, liegt der Rechnungsbetrag unter den Behandlungskosten in Deutschland, erhält der Patient nur den tatsächlichen Betrag erstattet. Für den Zahnersatz im Ausland gilt: Alle Behandlungen, die auch hier erstattungsfähig wären, wie zum Beispiel ambulante Reparaturen bei akuten Problemen, sind auch im Ausland von der Krankenkasse zu erstatten.

Zahnersatz im Ausland

Zahnersatz im Ausland @iStockphoto/kzenon

Welche Ansprüche habe ich bei Problemen?

Prinzipiell besteht bei jeder Dienstleistung, auch einer ärztlichen, eine Gewährleistungsfrist von zwei Jahren. Viele Praxen und Kliniken bieten sogar Garantien auf den neuen Zahnersatz von fünf oder mehr Jahren an. Taucht also ein Problem auf, haben Sie Schmerzen oder etwas sitzt nicht richtig, müssen die Ansprüche bei der behandelndem Klinik im Ausland geltend gemacht werden. Oft werden auch Partnerschaften mit Zahnärzten in Deutschland geschlossen, die dann bei eventuellen Schwierigkeiten aufgesucht werden können. Diese sitzen meist in Großstädten – kommt man also aus einer eher ländlichen Gegend, ist auch dies mit etwas Aufwand verbunden. Auch ihr Haus-Zahnarzt ist verpflichtet Ihnen im Notfall bei starken Schmerzen zu helfen. Stellt dieser dann schwerwiegende Fehler beim im Ausland eingesetzten Zahnersatz fest, sollte man ein Gutachten anfertigen lassen, den Zahnersatz aber möglichst unverändert lassen, bevor die Haftung und Kostenübernahme nicht geklärt sind. Sollte es aufgrund von Problemen mit dem Zahnersatz aus dem Ausland zu Haftungsproblemen kommen, muss der Patient sein Recht auch dort einklagen. Ein Umstand, der schnell zu Problemen führen kann.

Alternative: Bei den Materialkosten sparen

Wer den Schritt ins Ausland nicht wagen mag, der kann sich bei seinem Zahnarzt gezielt über das Material erkundigen. Kronen oder Brücken aus Fernost oder den Philippinen werden immer beliebter und sind wesentlich günstiger als vergleichbare Anfertigungen aus einem deutschen Zahnlabor. Im Ausland gefertigter Zahnersatz ist um ca. 50 Prozent günstiger und die Haftung der Dienstleistung liegt bei Ihrem Zahnarzt. Schon ca. 10 Prozent aller Zahnärzte bieten ihren Patienten solche Möglichkeiten der Kostenersparnis an. Wissen sollte man aber: Zwar ist der Zahnersatz aus dem Ausland in der Regel qualitativ einwandfrei, ästhetische Probleme treten dagegen öfter auf. Wenn der Zahnersatz zu gelb oder zu weiß ist, wird eine Nachbesserung schwierig. Dann muss doch wieder das deutsche Labor ran, was dann die Kosten in die Höhe treiben kann. Wichtig ist hier, dass genaue Anweisungen übermittelt werden und der Zahnersatz nach der Lieferung vom Zahnarzt sofort auf Beschaffenheit und Farbe geprüft wird.

Checkliste für den Zahnersatz aus dem Ausland

– Bereiten Sie sich gründlich auf ihre geplante Reise vor. Zuerst sollten Sie Notwendigkeit eines Zahnersatzes checken lassen. Bitten Sie Ihren Zahnarzt um einen Heil- und Kostenplan. So haben Sie eine erste Vergleichsmöglichkeit zur Hand.

– Fragen Sie den Zahnarzt oder Zahnärztin im Ausland, anhand des Heil- und Kostenplanes ein persönliches Angebot zu kalkulieren. Dieses legen Sie dann Ihrer Krankenkasse vor. Die Kasse wird das Angebot prüfen und mit der Genehmigung erfahren Sie, in welcher Höhe sich die Kasse an den entstehenden Kosten beteiligt.

– Fragen Sie Ihre Krankenkasse und auch den behandelnden Zahnarzt im Ausland nach der Gültigkeit Ihrer Europa-Krankenkarte. Diese wird selten nicht anerkannt, was zu Problemen führen kann. Lassen Sie sich von der Krankenkasse zur Not einen Auslandskrankenschein mitgeben. Dieser wird immer akzeptiert. Heben Sie trotzdem jede Rechnung auf und lassen Sie jede geleistete Zahlung quittieren.

– Fragen Sie bei der Krankenkasse nach, wie hoch Gebühren und Verwaltungkosten sind. Diese fallen bei der Bearbeitung einer ausländischen Rechnung oft an, so dass Sie weniger als den ursprünglichen Rechnungsbetrag erstattet bekommen.

– Informieren Sie sich genau über Gewährleistungsfristen und eventuelle Garantien des neuen Zahnersatz und lassen Sie diese auch schriftlich im Vertrag festhalten.

– Einige ausländische Praxen arbeiten mit deutschen Zahnärtzen zusammen, um eventuelle Nachbesserungen einfacher zu gestalten. Informieren Sie sich über diese Niederlassungen und legen Sie sich die Adresse und Telefonnummer für den Notfall parat.

– Viele Krankenkassen haben den Trend der Zeit erkannt und kooperieren mittlerweile mit Praxen in Ungarn oder Polen. Fragen Sie ruhig nach, welche Möglichkeiten hier für sie als Patient bestehen und wie die Konditionen lauten. Generell sind solche Vereinbarungen zwischen Kasse und Arzt als durchweg positiv zu sehen, da bei Komplikationen immer ein Ansprechpartner zur Verfügung steht und keine langen Kommunikationswege nötig sind.

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