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Zahnimplantate aus Keramik

Zahnimplantate aus Keramik – Eine Definition des Materials

Bereits in den 1980er-Jahren wurden vermehrt Zahnimplantate aus Keramik hergestellt und implementiert. Nach einigen Jahren der Anwendung stellte sich jedoch heraus, dass die Eigenschaften des Materials oftmals ungünstig waren und die Implantate irreparable Schäden erleiden können. Seitdem wurde das Material weitaus weniger häufig für den Zahnersatz angewandt. In den letzten Jahren erlebte der Keramikersatz jedoch eine sprichwörtliche Neuauflage. Verbesserte Materialeigenschaften sowie künstliche Veränderungen in der Materialstruktur machen aus Keramik eine attraktive Alternative zu den herkömmlichen Zahnimplantaten aus Titan.

Heutige Keramikimplantate bestehen in der Regel aus Zirkoniumoxid-Keramik. Verschiedene wissenschaftliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass diese chemische Verbindung uneingeschränkt verwendet werden kann. Es bestehen keine biologischen Gefahren, ein Gesundheitsrisiko kann somit praktisch ausgeschlossen werden. Bei der Herstellung des Materials werden derzeit zwei verschiedene Verfahren angewendet. Bei der Herstellung des Yttrium-stabilisierten Zirkonoxids wird ein Material erschaffen, welches eine extrem hohe Bruchstabilität bietet. Diese Eigenschaft ist gerade bei einem Zahnimplantat von besonders hoher Bedeutung, da die Zähne bei einem „kräftigen Biss“ besonders starken Kräften ausgesetzt sind. Als Pendant zu dem Yttrium-stabilisierten Zirkonoxid wird das nach dem sogenannten Sinterverfahren produzierte Zirkonoxid hergestellt. Dieses dient im Gegensatz zum ersteren Verfahren auch zur Kronen-Brückenprothetik. Die Werte der Stabilität (und somit der Bruchsicherheit) sind bei dem nach dem Sinterverfahren hergestellten Zirkonoxid jedoch deutlich geringer, so dass es bei der Verwendung dieses Materials häufiger zu Bruchstellen kommen kann. Aus diesem Grunde scheinen die gesinterten Implantate zunächst weniger geeignet zu sein.

Grundsätzlich bestechen Zirkonimplantate (Implantate aus Keramik) durch ihre positive Eigenschaft, dem natürlichen Zahnweiß näher zu kommen, als dies bei den üblichen Alternativen der Fall ist. Die Ästhetik des potenziellen Patienten bleibt somit in jedem Falle gewahrt. Dies ist insbesondere dann von essentieller Bedeutung, wenn das deckende Zahnfleisch bereits sehr ausgedünnt bzw. von Natur aus sehr dünn ist.

Aus wissenschaftlicher / chemischer Sicht gelten die Zirkonoxidprodukte als frei von Metall. Dies ist einer der Gründe, weshalb das Material aus gesundheitlichen Aspekten als unbedenklich eingestuft wird. Gerade für Patientinnen und Patienten mit Allergien ist der Verzicht auf ein metallisches Implantat besonders attraktiv. Bisher konnte keine wissenschaftliche Studie Unverträglichkeiten nach der Implantierung nachweisen. Dem Vorteil der attraktiven Farbgestaltung sowie der vollständigen Verträglichkeiten innerhalb des menschlichen Organismus stehen jedoch auch einige Nachteile gegenüber. So sind der Erwerb und der Einsatz eines Implantats aus Keramik mit deutlich höheren Kosten verbunden. Darüber hinaus existieren bisher erst wenige – nicht zwangsläufig repräsentative – Langzeitstudien auf diesem Gebiet. Die Dokumentation der Alternative aus Keramik ist noch nicht im ausreichenden Maße dokumentiert. Aufgrund der noch nicht vorhandenen Langzeituntersuchungen gilt es bis heute nicht als sicher, dass die Keramikprodukte die selbe (oder gar eine längere) Langlebigkeit besitzen wie die bisher üblicherweise transplantierten Produkte aus Titan. Da bei Zirkonoxid jedoch üblicherweise bereits nach einer gewissen Zeit Alterserscheinungen auftreten, zweifeln Fachleute und Experte die Langlebigkeit des Keramikimplantats an. Neben diesen Zweifeln ist bisher nicht erwiesen, dass die Struktur der Oberfläche des Implantats aus Keramik für die Heilung der betroffenen Knochen dienlich ist. Verbesserte bzw. veränderte Strukturen der Implantatoberfläche ließen zuletzt eine Einheilzeit von unter 8 Wochen zu. In bestimmten Fällen kann diese jedoch auch bis zu 24 Wochen andauern. Sollten einteilige Implantate aus Keramik gewählt werden, so kann sich die Einheilzeit entsprechend verlängern. In diesen Fällen muss das Implantat durch eine speziell hierfür gelegte Schiene vor frühzeitiger (zu hoher) Belastung geschützt werden. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass dieses Vorhaben nicht immer erfolgreich verläuft. Oftmals kommt es zu Komplikationen, so dass das entsprechende Implantat wieder entnommen werden muss. Dies ist mit erheblichen Unannehmlichkeiten für den betroffenen Patienten verbunden. Eine direkte und sofortige Belastung ist bei einem Implantat aus Keramik demzufolge nicht möglich. Positiv entgegen halten muss man diesem Aspekt jedoch, dass das Zahnfleisch (bzw. das gesamte weiche Gewebe) positiv auf die Keramikalternative Zirkonoxid anspricht. An dieser Stelle ist es dem herkömmlichen Titan somit überlegen. Der Aufbau / die Anordnung eines einteiligen Keramikimplantats kann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht flexibel gewählt werden. Hierdurch ist eine sehr exakte und genaue Platzierung bzw. Einsetzung des Implantats erforderlich. Die spezielle und individuelle Form eines jeden Implantats muss durch das Beschleifen erzielt werden. Diese Beschleifung ist verhältnismäßig aufwendig. Darüber hinaus besteht hierbei die Gefahr, dass Risse oder sonstige Beschädigungen an dem Implantat entstehen. Solche Beschädigungen würden das Implantat mit sofortiger Wirkung unbrauchbar machen.

Neben den soeben beschriebenen einteiligen Zirkonimplantaten werden jedoch auch die zweiteiligen Varianten entwickelt. Hier wird die eingeschränkte Anwendungsmöglichkeit der einteiligen Variante durch sogenannte Abutments gelöst. Bei Zirkonoxid-Abutments können jedoch – im Gegensatz zu der metallischen Alternative aus Titan – keine wechselbaren Schraubverbindungen hergestellt werden. Seit einigen Jahren existiert jedoch ein Anbieter auf dem Markt, der eine verschraubte Lösung inklusive hoher Bruchstabilität in Aussicht stellt. Als Alternative zu der Verschraubung besteht jedoch auch die Möglichkeit, die Verbindung zwischen dem eigentlichen Implantat sowie dem Aufbauteil durch Verklebung herzustellen. Diese Art der Verbindung ist grundsätzlich als sicher anzusehen. Sie bietet dennoch weniger Stabilität als die üblicherweise verwendete Verschraubung. Zu der Verklebung existieren noch keine Langzeitstudien. Es ist somit zumindest denkbar, dass sich das Implantat nach jahrelanger Anwendung von dem Aufbauteil löst.

Zahnimplantate aus Keramik

Zahnimplantate aus Keramik @iStockphoto/bgbs

Zusammenfassung der Vor- und Nachteile von Keramikimplantaten

Die eingangs ausführlich beschriebenen Vorteile sollen innerhalb des folgenden Abschnitts kompakt, transparent und übersichtlich dargestellt werden.

Die Implantate aus Keramik bestechen durch eine sichere und eindeutige Kompatibilität mit dem menschlichen Organismus. Negative Entwicklungen gelten als ausgeschlossen und sind somit nicht zu befürchten. Darüber hinaus besteht keine Gefahr einer allergischen Reaktion. Das Keramikimplantat verträgt sich optimal mit dem umgebenden Gewebe sowie dem Zahnfleisch und lagert sich entsprechend gut an. Die Farbe des Implantats gewährleistet – im Gegensatz zu der metallischen Variante – eine hervorragende Ästhetik. Sie entspricht dem natürlichen Weiß eines gesunden und gepflegten Zahns. Durch die Anwendung eines Keramikimplantats wird das Risiko einer Entzündung des Zahnfleischs minimiert, die Plaqueanlagerung wird auf ein Minimum reduziert. Da sich zwischen dem Aufbauteil und dem eigentlichen Implantat kein Spalt bildet, vermindert sich ebenso das Risiko einer möglichen Entzündung und / oder Infektion.

Diesen erheblichen Vorteilen gegenüber stehen die folgenden nachteiligen Auswirkungen:

Der Heilungsprozess der entsprechenden Knochen entspricht nicht der Geschwindigkeit von Implantaten aus Titan. Der Patient muss entsprechend länger auf eine vollständige Verheilung warten. Während der Einheilungszeit darf das Implantat nicht belastet werden. Dies gestaltet sich gerade im Alltag schwierig. Da das Implantieren von Keramik noch nicht in Langzeitstudien dokumentiert ist, birgt diese Variante zumindest die Gefahr, frühzeitigen Alterungsprozessen zu erliegen. Das Implantat könnte entsprechend früh Schaden nehmen. Die Korrektur der Achse durch ein Abutment ist bei den einteiligen Implantaten nicht mehr möglich. Darüber hinaus muss die optimale Passform beschliffen werden. Bei dem Vorgang des Beschleifens besteht die Gefahr, dass das Implantat irreparable Schäden (z. B. Risse etc.) davon trägt.

Die genannten Vor- und Nachteile unterliegen keine wertenden Reihenfolge oder Hierarchie. Im Zweifel muss der betroffene Patient für sich selbst festlegen, auf welche Aspekte er mehr bzw. weniger Wert legt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Keramik eine neue, verträgliche und ästhetische Lösung für den Ersatz eines Zahnes darstellt. Sämtliche positive Eigenschaften der üblicherweise verwendeten Implantate aus Titan können jedoch noch nicht erreicht werden. Darüber hinaus fehlen zum derzeitigen Zeitpunkt noch Langzeitstudien zu der Keramikvariante. Die Technik ist somit noch nicht ausreichend dokumentiert. Die Hersteller und Anwender sind jedoch bestrebt, die Beschaffenheit der Oberfläche zu optimieren und dem Implantat eine ausreichende Stabilität zu verleihen. Einer künftigen uneingeschränkten Anwendung steht somit nichts mehr im Wege.

Die Kosten eines Keramikimplantats

Die Kosten für ein Implantat aus Keramik sind wesentlich höher als die eines herkömmlichen Titanimplantats. Dies liegt unter Anderem daran, dass die Materialkosten in der Beschaffung höher angesiedelt sind. Aber auch die erschwerte Implantation, die aufwendige prothetische Versorgung sowie der Einheilschutz schlägt entsprechend zu buche.

Das Grundmaterial Zirkonoxid ist gegenüber dem Titan erheblich schwerer zu bearbeiten. Darüber hinaus ist auch die Optimierung der Oberfläche entsprechend aufwendiger, da diese in einem umfangreichen Prozess geschliffen werden muss. Die Preise allein für das Zirkonoxidimplantat liegen oftmals über 400,00 EUR.

Hinzu kommen die Kosten für die einmalige Diagnostik und Planung des Prozesses. Diese liegen im Schnitt bei ca. 100,00 EUR – 300,00 EUR. Je nach Art des vorliegenden Falls kommen noch Posten für den Austausch / den Wechsel von Aufbauteilen (50,00 EUR – 200,00 EUR), den Knochenaufbau (100,00 EUR – 1.000,00 EUR), die Knochengewinnung (1.200,00 EUR – 3.600,00 EUR) sowie für die Knochengewinnung hinzu (1.300,00 EUR – 1.600,00 EUR) hinzu. Die Materialkosten belaufen sich auf ca. 300,00 – 600,00 EUR für das Implantat sowie auf 150,00 EUR – 350,00 EUR für die (zweiteiligen) Aufbauteile.

Anhand dieser Werte lässt sich schnell und einfach nachvollziehen, dass die Implantation eines Keramikimplantats mit erheblichem Mehraufwand gegenüber den Alternativen aus Titan verbunden ist. Dieser Mehraufwand ist mit entsprechend steigenden Kosten verbunden. Dennoch sind viele Patienten gerne dazu bereit, für die Ästhetik – die ein Implantat aus Keramik mit sich bringt – diesen Mehrbetrag zu leisten. Auch wenn zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Langzeitstudien in Hinsicht auf die Langlebigkeit zur Verfügung stehen, gehen Fachleute und Experten davon aus, dass künftig immer häufiger Implantate aus Keramik hergestellt und implantiert werden. Jeder potenzielle Patient ist dennoch gut beraten, entsprechende Implantationen vorab mit seiner Krankenversicherung zu besprechen. Unter Umständen werden von dortiger Seite anteilige Kosten mitgetragen bzw. übernommen. Sollte eine Zahnzusatzversicherung zur Verfügung stehen, so können eventuell auch hierüber Kosten erstattet werden. Die Prüfung dieser Möglichkeiten obliegt jedoch stets der Eigenverantwortlichkeit der Patienten bzw. der Versicherten. Sollte sich bei dieser Prüfung herausstellen, dass der Patient / der Versicherte den Großteil der Implantation des Keramikimplantats selbst zu tragen hat, so ist er jedoch auch mit der herkömmlichen Titanimplantation gut beraten. Diese ist kostengünstiger zu erwerben und mit diversen (unbedenklichen) Langzeitstudien versehen. Einzig die weniger ansprechende Ästhetik gegenüber den Keramikimplantaten muss hierbei in Kauf genommen werden.

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