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Zahnimplantate aus Titan

Ein perfektes und makelloses Lächeln ist heute ein ungemein wertvolles Gut. Es kann darüber entscheiden, wie wir bei unseren Mitmenschen ankommen, und kann im Zweifelsfall hintergründig Erfolge und Misserfolge beeinflussen. In Zeiten, wo der erste Eindruck mehr denn je über Zusammenarbeiten, Freundschaften und Partnerschaften entscheidet, können und wollen nur die wenigsten Menschen Zahnlücken dulden. Abhilfe schafft von jeher Zahnersatz. Auch der ist aber schon lange nicht mehr gleich dem anderen. Prothesen, Teilprothesen, Kronen und Brücken scheinen gang und gäbe zu sein. Doch seit einigen Jahren ist auch das Implantat immer stärker im Kommen. Nicht grundlos, denn es gilt als der Zahnersatz der Zukunft und als die edelste Art des Zahnersatzes.

Ein Implantat, das eine Krone, eine Brücke oder eine Prothese verankert, kommt einer echten Zahnwurzel nach wie vor am nächsten. Professionell eingesetzt und bei der richtigen Vorsorge und Pflege, kann einen ein Implantat lange durchs Leben begleiten. Doch Implantat ist nicht gleich Implantat. Der erste Unterschied zeigt sich dabei bereits bei der Wahl des Materials. Hier gehören Zahnimplantate aus Titan bereits seit Jahren zu den gefragtesten Implantatvarianten – aber auch zu den umstrittensten. Doch was ist es, was ein Implantat aus Titan ausmacht? Welche Unterschiede gibt es, zum Beispiel im Vergleich mit anderen gängigen Materialarten für Zahnimplantate? Und was sollte man über das unscheinbare und innovative Material wissen?

Die Geschichte der Implantologie und des Materials Titan

Es war in den 50er Jahren der Orthopäde Per-Ingvar Branemark, der in Cambridge bei Versuchszwecken an Kaninchen beobachtete, dass sich das implantierte Titan so eng mit dem Gewebe und den Knochen der Tiere verband, dass eine Entfernung nahezu unmöglich wurde. Anschließend nahm Branemark das Material und den Heilungsprozess näher in Augenschein und stellte fest, dass dieser überwiegend problemlos und – im Vergleich mit anderen Materialien – viel schneller ablief. Folglich beschäftigte sich der Arzt mit der Frage, ob sich Titan als Material für die Hüft- und Knieendoprothetik eignen würde – eine Frage, die Branemark schnell mit einem Ja beantworten konnte. 1965 wurde an der Universität Göteborg, unter Branemarks Aufsicht, das erste Titanimplantat bei einem Menschen eingesetzt. Und auch hier überzeugte das Implantat durch eine schnelle und relativ problemlose Heilung und eine enge und zuverlässige Verbindung mit dem Gewebe und den Knochen des Patienten. Diese Erkenntnisse sollten für die Implantologie ein bedeutender Meilenstein sein. Denn Titan nahm in dieser in den folgenden Jahren eine bedeutende Position ein.

Jedoch sollte man noch viele Jahre lang Implantationserfahrungen in der Orthopädie sammeln, bevor man einige Jahrzehnte später das erste Zahnimplantat auf den Markt bringen würde. Allerdings war das Material Titan damals schon so weit erforscht, dass es lange dauern sollte, bis es vergleichbar vorteilhafte und geeignete Materialien geben sollte. Lange Zeit galt Titan als einziges geeignetes Implantatsmaterial für die Kieferchirurgie und somit auch für die Zahnästhetik.

Zahnimplantate aus Titan und ihre besonderen Eigenschaften

Um die Besonderheit eines Zahnimplantates aus Titan nachvollziehen zu können, muss man erst einmal die genaue Aufgabe eines Implantats verstehen. Denn moderne Zahnimplantate werden in den Kieferknochen eingepflanzt, wo sie die Aufgabe einer Zahnwurzel übernehmen. Der größte Vorteil eines Implantates, im Vergleich mit anderen Zahnersatzoptionen (etwa Brücken) ist dabei der, dass das Implantat festsitzend ist. Das heißt: Es dient tatsächlich als künstliche Zahnwurzel, sodass die darauf verarbeiteten Kronen oder Brücken so fest wie ein echter Zahn im Kiefer sitzen. Bei einem Implantat gehen das Leben und das Essen also weiter wie zuvor. Es werden keine Hafthilfen benötigt, es gibt bei einem gut eingearbeiteten Implantat inklusive des dazugehörigen Kronenaufbaus keine Druckstellen und auch die Reinigung und Pflege eines Implantats unterscheidet sich nur gering bis gar nicht von der Pflege der echten Zähne.

Ein hochwertiges und professionell eingesetztes Implantat sollte also fest und sicher im Kiefer sitzen. Das bedeutet zum einen natürlich, dass der zuständige Zahnarzt oder Kieferchirurg gute und verlässliche Arbeit leisen sollte. Jedoch kann auch das verwendete Material des Implantats über die Lebensdauer und die Verträglichkeit von diesem entscheiden. Denn in erster Linie wird ein Implantat, da es in den Kieferknochen eingearbeitet wird, vom Körper als Schädling und als Fremdkörper angesehen, den es zu bekämpfen gilt. Unsere moderne Schulmedizin ermöglicht es uns, diese Abwehrreaktion durch verschiedene Mittel und Wege, etwa durch die Gabe von Antibiotikum nach der Implantation, in Grenzen zu halten. Das bedeutet im Zweifelsfall allerdings nicht, dass das ausreicht. Deshalb ist bereits die Wahl des Materials bei den Vorbereitungen des Eingriffes entscheidend.

Zahnimplantate aus Titan

Zahnimplantate aus Titan @iStockphoto/ImPerfectLazybones

Titan – das einzig wahre Zahnimplantatsmaterial?

In der Implantologie haben sich bisher vor allem zwei Materialarten etabliert: das Titan- und das Keramikimplantat. Denn diese beiden Materialarten verbinden sich optimal mit dem Kieferknochen und sind dadurch ungemein belastungsfähig. Doch warum sollte man sich für ein Zahnimplantat aus Titan und nicht für ein Zahnimplantat aus Keramik entscheiden? Titan ist nachweislich sehr gewebefreundlich und wird aus diesem Grund oftmals nahezu problemlos vom Körper des Patienten angenommen. Das heißt: Abwehrreaktionen sind recht selten oder nur sehr gering. In den meisten Fällen kommt es eher zu Unverträglichkeiten als zu Allergien oder Abstoßungen. Titan ist zudem biokompatibel, was bei einer erfolgreichen Verbindung mit dem Kieferknochen (Osseointegration genannt) zu einer enorm sicheren und stabilen Verbindung sorgt. Aus diesem Grund bestehen heute die meisten der modernen Implantate aus Titan. Titanimplantate gibt es jedoch nicht nur als künstlichen Zahnwurzelersatz, Titan wird noch heute ebenfalls für künstliche Hüften und als Implantatbasis für andere Körperteile verwendet.

Titan ist also ein nachweislich oft verträgliches und biokompatibles Material, was sich bereits seit Jahrzehnten als bevorzugtes Material für Zahnimplantate erwiesen hat. Allerdings gibt es auch hier Fälle, die die aus dem Raster ausbrechen. Denn es gibt durchaus Menschen, die auch auf Titan empfindlich reagieren. Abwehrreaktionen sind die Folge, die allerdings auch erst nach einigen Jahren des erfolgreichen Tragens des Implantats auftreten können. Aus diesem Grund sind Verträglichkeitstest, die vor dem Eingriff oft empfohlen werden, nicht immer ein Garant dafür, dass Gegenreaktionen vollkommen ausgeschlossen werden können. Eine gute und hochwertige Materialalternative sind in diesem Fall Implantate aus Zirkonoxid (Keramik). Diese gelten als metallfrei und sind somit oft auch bei sensiblen Allergie-Patienten verträglich.

Jedoch entstehen hierbei nicht selten höhere Kosten, die unbedingt beachtet werden sollten. Denn auch im Allergie- und Gegenreaktionsfall handelt es sich bei einem Implantat um eine reine Privatleistung, bei der die Krankenkasse keine Kosten übernimmt. Zudem hat auch ein Keramikimplantat ganz individuelle Vor- und Nachteile, die vor einem Eingriff genau in Erfahrung gebracht werden sollten.

Implantate aus reinem Titan oder Teiltitanimplantate?

Doch auch Titanimplantat ist nicht gleich Titanimplantat. Zahnimplantate aus Titan sind heute in den unterschiedlichen Formen, Größen und Ausführungen vertreten. Das soll dafür sorgen, dass es für jeden Kiefer und für jede Knochenstruktur das richtige Implantat gibt. Die gängigsten Formen von modernen Implantaten sind die Zylinder- oder Kegelform. Welche Form für den Patienten die richtige ist, das hängt in erster Linie davon ab, an welcher Position im Kiefer das Implantat gesetzt werden soll und welche genaue Aufgabe das Implantat übernehmen soll – etwa ob dieses einen oder mehrere „Zähne“ tragen soll. Zudem kommt es bei der Wahl des Implantats aber auch auf die Beschaffenheit des Kiefers des Patienten an. Hierbei geht es vor allem um die bereits erwähnte Struktur des Kieferknochens, aber auch um den Kieferumfang oder um den Platz, der im Kiefer für ein Implantat vorhanden ist.

Ein weiterer Faktor, den es beim Zahnimplantat aus Titan zu beachten gilt, ist die genaue Materialzusammensetzung. Denn es gibt ebenso reine Titanimplantate, wie es verschiedene Metallimplantate gibt, die durch eine Titanummantelung veredelt und somit verträglicher gemacht werden. Auch mit Titan ummantelte Implantate sind dafür bekannt, schneller und unproblematischer in den Kiefer des Patienten einzuwachsen. Jedoch weist diese Art der Implantate oft nicht die Struktur eines reinen Titanimplantats vor, das der Elastizität des Kiefers von den bisher bekannten Implantatmaterialien am ähnlichsten ist. Das bedeutet im Einzelfall eventuell, dass ein Teiltitanimplantat häufiger Komplikationen hervorruft als ein reines Titanimplantat. Ausnahmen stellen neuartige Implantate dar, die sich aus einer innovativen Mischung aus Titan und Zirkonium zusammensetzen. Auch diese sind aber kostspieliger und eignen sich nicht ausnahmslos für jeden Implantationsfall.

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