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Zöliakie – „nur“ eine Getreideunverträglichkeit?

Würde man die Patienten in deutschen Wartezimmern nach dem Grund ihres Arztbesuches befragen, würde ein nicht unerheblicher Teil mit Verdauungsstörungen antworten. Obwohl unser Leben immer angenehmer wird und wir uns rund um die Uhr mit Nahrung versorgen können, scheint der menschliche Stoffwechsel mit dieser Erleichterung nicht immer so gut umgehen zu können. Schließlich ist in den letzten Jahren die Zahl der Verdauungsstörungen immer weiter gestiegen.

Eine dieser Formen ist die Zöliakie, vielen Verbrauchern eher unter dem Begriff der Glutenunverträglichkeit bekannt. Knapp zusammengefasst handelt es sich dabei um eine Abwehrreaktion auf ein Protein, welches in vielen Getreidesorten vorkommt. Und obwohl es sich dabei um kein akut lebensbedrohliches Krankheitsbild handelt, kann das Leben für Betroffene deutlich schwerer werden. Ursache ist die Tatsache, dass sich Zöliakie heute noch nicht mit herkömmlichen Mitteln behandeln lässt. Lediglich ein Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel sorgt für Abhilfe.

Warum streikt der Darm bei Getreide?

Zöliakie … was bitte? So oder ähnlich werden Patienten reagieren, die mit Verdauungsbeschwerden eine wahre Odyssee durch deutsche Wartezimmer erlebt haben. Leider ist es auch heute immer noch so, dass die Symptome der Glutenunverträglichkeit relativ unspezifisch sind und eine Diagnose erst nach verschiedenen Tests und mehreren Arztbesuchen möglich ist. Grundsätzliches Problem bei dieser Unverträglichkeit ist eine Reaktion des Immunsystems auf ein Protein vieler Getreidesorten, welches in unterschiedlichen Formen auftreten kann. Neben Weizen und Hafer oder Roggen werden auch die Urgetreidesorten nicht mehr vertragen. Über die genaue Ursache der Zöliakie streitet die Wissenschaft immer noch, aber genetische Ursachen sind genauso denkbar wie eine Infektion. Aufgrund dieser Tatsache sind Personen, die bereits an einem Gendefekt leiden oder eineiige Zwillinge Risikogruppen und vom Auftreten der Unverträglichkeit besonders betroffen. Im Körper selbst entsteht nach der Aufnahme von Getreideprodukten mit Gluten eine Abwehrreaktion im Dünndarm, was schließlich zu einer Entzündung und der Schädigung des Dünndarmepithels führt. Ohne Therapie wird die Schleimhaut im Darm angegriffen, was am Ende zu einer deutlich schlechteren Nährstoffaufnahme führen kann. Eine Spätfolge der Glutenunverträglichkeit kann auch die Entwicklung eines Tumors sein.

Getreide

Getreide @iStockphoto/Elena Elisseeva

Woran erkenne ich die Zöliakie?

Die Symptome einer Glutenunverträglichkeit sind auf den ersten Blick relativ unspezifisch und könnten auch anderen Krankheitsbildern zugeordnet werden. Neben Durchfällen, die bei Patienten mit Zöliakie natürlich gehäuft auftreten, kann es auch zu sogenannten Fettstühlen kommen, Übelkeit und Erbrechen oder Blähungen. Durch Letztere wirkt der Bauch trotz augenscheinlich gesunder Lebensweise immer aufgebläht. Weitere Symptome für das Vorliegen einer Glutenunverträglichkeit sind Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Mangelerscheinungen, welche sich auf die verringerte Resorption von Nährstoffen zurückführen lassen. Tritt die Zöliakie bereits im Kindesalter auf, kann es zusätzlich auch zu Gedeihstörungen kommen, was sich in einem verminderten Wachstum, dürrem Körperbau und häufigem Erbrechen äußert. Daneben wirkt sich eine Verdauungsstörung auch auf die Psyche aus, da sich Betroffene immer schlapp und ohne Antrieb fühlen. Zur sicheren Diagnose benötigt ein Arzt nicht nur die Erhebung der Krankengeschichte, sondern muss sich auch auf die Ergebnisse einer Darmspiegelung sowie einen serologischen Test verlassen können.

Heilungschancen bei Zöliakie

Was tun mit der Diagnose Zöliakie? Und wie steht es um die Heilungschancen? Betroffene müssen hier leider mit einer schlechten Nachricht leben: Bis heute ist es den Ärzten noch nicht gelungen, eine wirksame Therapie zur ursächlichen Behandlung der Glutenunverträglichkeit zu entwickeln. Einzig eine Umstellung der bisherigen Essgewohnheiten bringt einen langfristigen Erfolg mit sich. Es muss also vollkommen auf Gluten in der Nahrung verzichtet werden. Und dieser Verzicht ist leichter gesagt als getan, denn ein großer Teil der heutigen Lebensmittel enthält Gluten. Nicht nur, dass dieses Protein im Getreide vorkommt, auch in Fertigprodukten lässt sich Gluten nachweisen, etwa in Form künstlicher Aromen. Aus diesem Grund kommt also nur eine begrenzte Zahl an Lebensmitteln in Frage, die sorgfältig ausgewählt werden müssen. Hier reicht selbst ein Blick auf die Inhaltsangaben nicht aus, da Gluten nicht immer angegeben wird. Aber inzwischen erkennt auch die Lebensmittelindustrie immer stärker die Notwendigkeit einer umfassenden Kennzeichnung und versieht Produkte mit einem Hinweis auf ihren Glutengehalt.