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Tarotkarten – der Blick in die Zukunft

Man findet sie auf Jahrmärkten, Volksfesten, aber auch im Fernsehen oder im Internet – Kartenleger, die mittels magisch anmutender Spielkarten in unsere Zukunft, die Vergangenheit und allergeheimste Befindlichkeiten blicken. Alles nur Humbug und fauler Zauber? Oder steckt doch ein Quäntchen Wahrheit hinter der Kraft der Tarotkarten?

Tarot – was ist das überhaupt?

Beim Tarot handelt es sich um ein Kartenorakel, das schon seit dem 16. Jahrhundert in Gebrauch ist. Um den Ursprung der esoterischen Bedeutung ranken sich unzählige Legenden, so soll bereits Moses mit dem Auszug des Volkes Israel die Tarotkarten nach Palästina und dort der kabbalistischen Lehre zugeführt haben. Die Bezeichnung „Tarot“ wird auch oft mit der jüdischen Thora in Verbindung gebracht. Entscheidend bei der Deutung von Tarotkarten ist die Berücksichtigung des Zufalls. Innerhalb der aktuellen Situation, gerade beim Legen, Aufdecken und Deuten fällt den Karten eben eine besondere Bedeutung zu, aus der sich individuelle Rückschlüsse ergeben.

Tarotkarten

Tarotkarten @iStockphoto/Darla Hallmark

Karten über Karten

Stets besteht ein Tarotspiel – ein sogenanntes Deck – aus 78 Karten. Sie werden unterteilt in 22 große und 56 kleine Arkana. Es gibt inzwischen zahlreiche Mode-Decks zu aktuellen Trends wie „Herr der Ringe“, am bekanntesten sind jedoch das Marseille-, das Rider-Waite- und das Crowley-Tarot. Letzterem haftet eine gewisse schwarzmagische Ausstrahlung an, da sein Schöpfer Aleister Crowley in den 40er Jahren seinen Ruf als dunkler Magier sorgsam pflegte. Daher wird heute ganz überwiegend das Rider-Waite-Tarot verwendet. Die relativ schlichten Kartenmotive lassen ihre Bedeutung nicht ohne Weiteres erkennen, präsentieren aber immer eine spezielle Kombination aus Zahlen, Farben und Symbolen. Sie heißen „Narr“, „Turm“, „Hohepriesterin“ oder „7 der Stäbe“, „3 der Kelche“, „5 der Münzen“. Ohne erläuternde Literatur hat der Laie kaum eine Chance, ihren Sinn auf einen Blick zu entschlüsseln.

Ein Versuch der Erklärung

Findet sich bei einer Tarot-Lesung wirklich die Antwort auf eine konkrete Frage? Oder ist das praktisch gar nicht möglich und bildet nur den dekorativen Hintergrund für ausgeprägte Menschenkenntnis? Betrachtet man das Tarot von seiner esoterisch-magischen Seite, entsteht beim Kartenlegen eine parallele Darstellung zu den aktuellen Ereignissen des Lebens. Zwischen beiden Situationen besteht eine inhaltliche Beziehung. Vor rein psychologischem Hintergrund zeigen die Karten lediglich grundlegende, typisch menschliche Erfahrungen, die durch die Stimmung subjektiv als korrespondieren zu der eigenen Situation empfunden werden. Es ist also eine Art Spiegel zu betrachten, mittels dessen man sich zu seinem eigenen Innern aufmacht.

Exkurs in die Praxis

Theoretisch kann sich jeder Interessierte ein Tarotdeck und ein passendes Erklärungsbuch kaufen, sich mit den Karten vertraut machen und mittels Leitfaden das zu seiner Frage passende Legemodell aussuchen, umsetzen und deuten. Ob man sich selbst die Karten legt oder jemand anderen damit betraut, ob bei Kerzen- oder Neonlicht, Weihrauch oder Heavy Metal – ein gewisses Maß an Konzentration sollte herrschen. Die Wahl des Legesystems, das Mischen und Auswählen der Karten sind eine höchst subjektive Angelegenheit. Manchmal geht es nur um einen verblüffenden Partygag, dann wiederum um eine ernste Angelegenheit. In jedem Fall nähert man sich seiner Frage von einer ungewöhnlichen, neuartigen Seite.

Zu guter Letzt

Wie geht man denn um mit der Aussage, die da in Kartenform auf dem Tisch vor einem liegt? Soll man bedingungslos daran glauben? Oder es schnell wieder als Kirmes-Firlefanz abtun und vergessen? Nicht immer wird das Ergebnis gefallen…. „Das Tarot ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr!“ hat mal jemand gesagt, der sich offenbar damit auskannte. Es ist ein bisschen wie mit dem Ratschlag eines alten, weisen Menschen: Man nimmt ihn ernst und beherzigt ihn, aber man würde sich dem niemals blind und verantwortungslos unterwerfen. Wenn die Aussage uns nicht berührt – verwerfen wir sie eben. Aber sich sklavisch zu unterwerfen ist sicher der falsche Weg.