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Origami – die japanische Papierfaltkunst

Origami bezeichnet eine Jahrhunderte alte japanische Kunst des Papierfaltens, bei der durch geschickte Fingerfertigkeit Figuren in den unterschiedlichsten Formen entstehen. Der Begriff Origami setzt sich zusammen aus den japanischen Wörtern „oru“, was „falten“ bedeutet, und dem Wort „kami“ für „Papier“. Schere und Klebstoff sind in der Origamikunst nicht nötig, denn gerade darin besteht die japanische Tradition, allein mit der Technik des Faltens und dem Einsatz der Hände ein dreidimensionales Objekt zu schaffen. Die Papierkunst, die in Japan ihre Wurzeln hat, ist mittlerweile auf der ganzen Welt eine beliebte Bastel- und Kunstfertigkeit. Hinter dem Wort Origami verbirgt sich aber mehr als das, denn seine bewegende Geschichte zeigt, dass das Origami in Japan für Hoffnung, Glaube und Frieden steht.

Die Geschichte des Origami

Im 6. Jahrhundert nach Christus brachten chinesische Mönche erstmals Papier nach Japan. Aufgrund seiner Seltenheit bekam das Papier in Japan eine besondere, nahezu religiöse Bedeutung.

Anstatt wie bisher feine Stoffe zu falten, wurde nun das Papier aus China verwendet, jedoch lediglich ehrfurchtsvoll für religiöse Zwecke. Im 14. und 15. Jahrhundert erfreute sich das Papierfalten in der Muromachi Zeit größter Beliebtheit und so entstand die Tradition des Papierfaltens, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Um besondere Faltungen nicht zu vergessen, markierte man das Papier mit Nadelstichen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in den Kindergärten Japans zur pädagogischen Erziehung das Papierfalten eingeführt, so dass das Origami auch heute noch in japanische Kindergärten unterrichtet wird.

Gemäß einer japanischen Legende versprechen die Götter demjenigen einen Wunsch zu erfüllen, der eintausend Papierkraniche faltet. Die Atombomben, die auf Hiroshima und Nagasaki geworfen wurden, forderten unzählige Opfer und das zur Zeit der Bombardierung zwei Jahre alte Mädchen Sadako Sasaki erkrankte aufgrund deren Strahlung an Leukämie. Es wird berichtet, dass sie unaufhörlich, doch leider vergebens, Origami-Kraniche faltete, um ihre Krankheit abzuwenden. Seither stehen die japanischen Papierkraniche für Frieden. So wurde dieser kleine Vogel aus dünnem Papier zum Inbegriff der Hoffnung.

Origami

Origami @iStockphoto/cm1

Verschiedene Modelle aus der Tier- und Pflanzenwelt

Das bekannteste Modell ist nach wie vor der traditionelle und symbolträchtige Kranich. Weitere traditionelle Modelle sind der Schmetterling, der Frosch, die chinesische Junke, der Sanbow, der Samuri Helm, die Schnecke und die Wasserbombe. Der Japaner Akira Yoshizawa, der im Jahr 1911 geboren wurde, brach mit diesen traditionellen Modellen und entwickelte eigene Kreationen, die er Mitte des 20. Jahrhunderts in Amsterdam ausstellte. Dem Einfallsreichtum sind seither keine Grenzen gesetzt, so dass alle möglichen Tiere und Blumen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad gefaltet werden können. Neben Schweinen, Schafen, Ratten und Hirschen können auch Insekten, Kois, Rosen, Orchideen, Chrysantheme und vieles mehr gefaltet werden. Einige Modelle sind sehr zeitintensiv, so dass Geduld und Übung beim Origami unerlässlich sind.

Falttechniken und Origamidisziplinen

Die grundlegenden Falttechniken sind die Zick-Zack-Falte, die Umkehrfalte, die Quetschfalte, die Swivelfalte, die Blütenblattfalte und die Berg- und Talfalte. In der Origamikunst gibt es unterschiedliche Teilbereiche, die aber durchaus gemischt werden können. Beim klassischen Origami verwenden die Künstler meist ein quadratisches Papier ohne dabei zu schneiden oder zu kleben. Werden mehrere Papierteile einzeln gefaltet und später zusammengesetzt, so spricht man vom modularen Origami. Beim Boxpleating werden horizontale und vertikale Falten zu mehreren Lagen verarbeitet. Sieht das fertige Modell von allen Seiten gleich aus, so spricht man von der Iso Area. Im Pureland dürfen lediglich Berg- und Talfalten verwendet werden. Mosaikartig entstehen beim Tesselations flache Faltbilder. Faltet man im Origami normalerweise trockenes Papier, so wird beim Wetfolding mit nassem Papier gearbeitet. Die Schere kommt beim Kirigami zum Einsatz, bei dem Schnitte vorgenommen werden dürfen.

Ganz gleich welche Faltmethode beim Origami verwendet wird, so entstehen doch unvergleichlich schöne Stücke, die mit ihrer filigranen Leichtigkeit die japanische Tradition lebendig halten und ihr alle Ehre machen.

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