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Scheidungskinder – Zwischen den Fronten

Mutter, Vater, Kind – so sieht in Kinderaugen die ganz normale Familienstruktur aus. Unglücklicherweise scheitern viele Ehen und Partnerschaften, die Eltern trennen sich. Für den Nachwuchs geht damit das wichtigste Gerüst seines Lebens kaputt. Schlimmstenfalls – wenn die Trennung nicht einvernehmlich verläuft – geraten die Kinder massiv zwischen die Fronten und sind Konfliktsituationen ausgesetzt, die sie allein unmöglich meistern können. Aber wie sollen die Eltern den Kindern die Trennung verständlich, vielleicht sogar erträglich machen?

Ist das meine Schuld?

Die Nachricht, dass Mama und Papa in Zukunft getrennte Wege gehen, versetzt Kinder geradezu in einen Schockzustand. Auf der Suche nach dem „Warum?“ geben sie sich dann oft selbst die Schuld, in der Hoffnung, die Entscheidung durch nun vermeintlich richtiges Verhalten anwenden zu können. Daher ist bei der Mitteilung und Begründung größte Sensibilität von den Eltern gefordert. Es ist vollkommen sinnlos, die familiäre Veränderung zu verschweigen, kleinzureden oder zu leugnen – die kleinen Menschen haben empfindliche Antennen für Stimmungswechsel und fühlen sich so nur hintergangen. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass jede Auseinandersetzung, jeder Streit und jede Meinungsverschiedenheit offen und ungefiltert vor den Kinderaugen und -ohren ausgetragen werden soll. Die Trennung ist eine Sache zwischen den „Großen“, und dort liegen auch die Ursachen. Diese Kernaussage muss ganz präzise vermittelt werden, damit das Kind sich nicht selbst als ursächlich betrachtet. Nicht alle Beweggründe kann man in jedem Alter plausibel erklären, aber auch kleine Kinder haben ein Recht auf Antworten.

Scheidungskinder

Scheidungskinder @iStockphoto/wavebreakmedia

Wo soll ich denn jetzt hin?

Die größte Angst der Kinder besteht in dem Gedanken, sich für ein Elternteil entscheiden zu müssen. Hier entsteht schnell ein schlimmer Loyalitätskonflikt, genährt durch die Furcht, dem Vater oder der Mutter durch eine Entscheidung zusätzlichen Kummer zu bereiten. Optimal sind natürlich ausgewogen verteilte Besuchs- und Betreuungszeiten, die beiden Eltern gleichermaßen den Umgang mit ihrem Nachwuchs ermöglichen. In der Praxis sieht die Umsetzung leider häufig ganz anders aus; inmitten der Trennungskriege werden Kinder fast als Waffen gebraucht, um etwaige Kränkungen durch den Ex-Partner zu vergelten. Ab dem 14. Lebensjahr haben die Kinder offiziell Mitspracherecht, viele Scheidungsrichter berücksichtigen jedoch auch schon die Meinung jüngerer Kinder. Bei allen partnerschaftlichen Problemen sollte das Wohl des Kindes die oberste Prämisse sein; letztlich können nur die Eltern darüber entscheiden, wo das Kind überwiegend leben soll.

Was machen wir denn nur?

Wenn sich eine Familie trennt, sind eigentlich alle Familienmitglieder mit der Situation überfordert. Der Gang zum Therapeuten, zur Eheberatung oder zum Mediator kann hier hilfreich sein. Niemand wird dabei versuchen, endgültig Zerbrochenes wieder zu kitten, das Ziel liegt eher in der Schadensbegrenzung. Speziell für Kinder gibt es betreute Gruppen, die ihnen das Verarbeiten leichter machen.

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