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Pro Ana – Selbstzerstörung als Lebensstil

Während nach Schätzungen der Welthungerhilfe gut 850 Millionen Menschen an Hunger leiden müssen, etabliert sich hier zunehmend eine Bewegung, für die das Essen zum Feind wird. Die Anhänger dieser Bewegung, die aus den USA zu uns herüber geschwappt ist, verwehren sich die lebensnotwendige Nahrungszufuhr und kennen nur ein Ziel: Möglichst dünn zu sein. Im Extremfall bedeutet das auch: Dünn bis in den Tod. Zusammengeschlossen haben sich die überwiegend weiblichen Anhängerinnen dieses Gedankens in der „Pro Ana“-Bewegung. Pro Ana steht für die medizinische Bezeichnung „Anorexia nervosa“, was übersetzt nichts anderes als „Magersucht“ bedeutet.

So verherrlichend die Bezeichnung „Pro Ana“ für diese Krankheit ist, so verherrlichend gehen die Anhängerinnen dieses Magerwahns auch mit der Krankheit um. Sie bezeichnen sich nicht als krank, sondern sehen „Pro Ana“ als eine Art von Lifestyle. Sie blenden die Tatsache aus, dass gut 15 Prozent ihrer Mitstreiterinnen den Kampf, so dünn wie möglich zu sein, mit dem Leben bezahlen. Vorbilder für diesen Schlankheitswahn gibt es zuhauf und besonders in prominenten Kreisen gilt der Magerwahn als schick. Zahlreiche Models, Sängerinnen oder Schauspielerinnen dienen den „Pro Ana“-Anhängerinnen als Inspiration und vor allem die – eher magere, als schlanke – Victoria Beckham ist die große Ikone der „Pro Ana“-Anhängerinnen. Besonders der Verbreitung des Internets ist es geschuldet, dass diese Bewegung immer mehr Anhängerinnen finden kann.

Hier können sich die „Pro Ana“-Anhängerinnen mehr oder weniger ungestört in diversen Internetforen und Weblogs miteinander vernetzen und sich gegenseitig in ihrem Schlankheitswahn unterstützen. Sie geben sich Ratschläge, wie diese Magersucht für Außenstehende nicht gleich offensichtlich wird und halten sich gegenseitig mit Durchhalteparolen über Wasser. Mit diesen Parolen rufen sie sich unter anderem ins Gedächtnis, dass es wichtiger ist „dünn zu sein, als gesund zu sein“ und vergegenwärtigen sich, dass ihnen „jede Mahlzeit ein schlechtes Gewissen bereiten soll“. Ihr täglicher Speiseplan in dieser Überflussgesellschaft ist minimalistisch und manche „Pro Ana“-Anhängerinnen gestehen sich pro Tag einen Apfel, eine winzige Portion Salat – selbstverständlich ohne fetthaltiges Dressing – und ein trockenes Knäckebrot zu.

Pro Ana

Pro Ana @iStockphoto/Maja Prochotta

Wege aus der Magersucht

Da die Anhängerinnen der „Pro Ana“-Bewegung ihre Essstörung nicht als Krankheit definieren, sondern das Dünnsein für sie einen ganz besonderen Lifestyle ausmacht, mit dem sie sich von anderen abgrenzen können, ist eine Behandlung sehr schwierig. Dünnsein beinhaltet für die „Pro Ana“-Anhängerinnen nicht nur den kosmetischen Aspekt. Es gibt ihnen das Gefühl, ihren Körper jederzeit voll unter Kontrolle zu haben und mit diesem Bewusstsein fühlen sie sich den vermeintlich „Schwächeren“, die sich nicht so gut im Griff haben, überlegen. Oftmals sind besonders jene Mädchen und Frauen für diesen Schlankheitswahn anfällig, die auch sonst einen sehr ausgeprägten Hang zum Perfektionismus haben. Erschwerend kommt hinzu, dass durch das exzessive Hungern Glückshormone ausgeschüttet werden, die zu einem Glücksrausch führen, der dem nahe kommt, was ein Extremsportler nach sportlicher Höchstleistung empfindet. Dieses Glücksgefühl hält allerdings nicht unbegrenzt an. Eines Tages zeigt die chronische Mangelernährung Wirkung und der Körper rächt sich. Anfangs reagiert er mit Kreislaufproblemen und einem allgemeinen Schwächegefühl. Je länger die Krankheit anhält, desto gravierender sind jedoch die Folgen für den Organismus. Die Knochensubstanz ist durch die Mangelernährung so geschädigt, dass sie brüchig wird, ernsthafte Herz-Kreislaufprobleme, die bis zum vollständigen Zusammenbruch führen können, sind die Folge. Für die Betroffenen ist es fast unmöglich, alleine einen Weg aus der Magersucht zu finden. Intensive psychologische Betreuung, die oft auch mit einem längeren, stationären Aufenthalt einhergeht, ist unerlässlich.

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