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Blutgruppen – Einfluss auf Charakter und Gesundheit?

Das Blut fließt wie selbstverständlich durch den Körper des Menschen, doch man weiß trotz dessen Wichtigkeit recht wenig darüber. Das mindeste jedoch, worüber man hinsichtlich unseres Lebenssaftes Bescheid wissen sollte, ist die Blutgruppe. Bei Unfällen und anderen medizinischen Notfällen sind rasch durchgeführte Bluttransfusionen mit der richtigen Blutgruppe lebensrettend. Doch was gibt es sonst noch zu wissen über die Blutgruppen? Haben sie Einfluss auf den Charakter oder sogar auf das Wohlbefinden des Menschen?

AB0-System und Rhesus-Faktor
Im Blut des menschlichen Körpers wurden mittlerweile unzählige Blutgruppensysteme entdeckt, die wichtigsten beiden sind allerdings das AB0-System und der Rhesus-Faktor. Der österreichische Bakteriologe Karl Landsteiner (1868-1943) entdeckte im Jahre 1901 das AB0-System der Blutgruppen, wofür er 1930 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Der enormen Wichtigkeit seiner bahnbrechenden Entdeckung haben die Österreicher mit der Abbildung seines Konterfeis auf dem österreichischen Tausendschilling-Schein – bis zur Einführung des Euro – Tribut gezollt. Obendrein wird am Geburtstag Karl Landsteiners seit 2004 der „Weltblutspendetag“ begangen. Das AB0-System ist das wichtigste Blutgruppenmerkmal und umfasst vier Hauptgruppen: A, B, AB und 0 (Null). Weltweit sind die Blutgruppen laut „Wikipedia“ wie folgt verteilt: 38 Prozent 0+, 34 Prozent A+, 9 Prozent B+, 7 Prozent 0-, 6 Prozent A-, 3 Prozent AB+, 2 Prozent B- und 1 Prozent AB-.

Blut

Blut @iStockphoto/Sebastian Kaulitzki

Die Verteilung der Blutgruppen variiert je nach Volk. So haben beispielsweise 41 Prozent der Deutschen, aber nur 17 Prozent der nordamerikanischen Blackfoot Indianer die Blutgruppe Null. Die Blutgruppe B ist häufiger in Asien verbreitet, die Blutgruppe A hingegen am meisten in Europa zu finden. Wichtig ist die Kenntnis der Blutgruppe vor allem bei Bluttransfusionen, da das Vermengen von Blut verschiedener unverträglicher Blutgruppen zur Verklumpung der Erythrozyten (roten Blutkörperchen) und in vielen Fällen zum Tod führt. Die Blutgruppe Null negativ kann aufgrund seiner Blutzusammensetzung (die Erythrozyten weisen keine Antigene A oder B auf) allen anderen Blutgruppen Blut spenden, die Blutgruppe AB positiv kann im Notfall von Spendern aller Blutgruppen Blut empfangen.

1937 entdeckte Karl Landsteiner gemeinsam mit dem Amerikaner Alexander Solomon Wiener den Rhesusfaktor. Besitzt der Mensch ein Rhesusfaktor-Antigen, so ist er rhesus-positiv, hat er keines, ist er rhesus-negativ. Da der Rhesusfaktor dominant vererbt wird, ist das rhesus-negative Blutgruppenmerkmal selten: Etwa 80 – 85 % der Mitteleuropäer sind daher rhesus-positiv.

Gefahren bei einer Schwangerschaft

Rhesus-negative Menschen sind in der Minderheit, jedoch ist die Gefahr für ungeborene Kinder einer rhesus-negativen Mutter hoch. Hat das Ungeborene nämlich rhesus-positives Blut und kommt dieses in Berührung mit dem Blut der Mutter – z.B. während der Geburt – so bildet die Mutter gegen die rhesus-positiven Blutzellen Antikörper. Für das im Mutterleib heranwachsende erste Kind bedeutet das noch keine Konsequenzen, jedoch „merkt“ sich der Körper der Mutter diese Immunreaktion und das kann bei neuerlicher Schwangerschaft mit einem wiederum rhesus-positiven Kind zu einer raschen Bildung einer großen Anzahl von Antikörpern führen, die über die Plazenta in den Kreislauf des Kindes gelangen und die kindlichen Blutzellen zerstören können. Die Folgen sind fatal: In sehr schweren Fällen wächst das Ungeborene nicht mehr, vermehrte Wassereinlagerung in allen Körperteilen ist die Folge. Die Leber schwillt stark an, der Blutstrom stagniert und es entsteht die so genannte Bauchwassersucht. Viele Kinder leiden nach der Geburt an einer massiven Gelbsucht, die die Hirnstrukturen schädigen kann.
Neben therapeutischen Maßnahmen für das zweite Kind, können die Ärzte u. a. bereits während der Schwangerschaft beim ersten Kind prophylaktisch eingreifen, indem sie der Mutter z.B. während der Schwangerschaft und nach der Geburt Antikörper injizieren, um eine Schädigung des zweiten Kindes zu verhindern.

Neben der oben erwähnten Rhesuserythroblastose kann es bei der Schwangerschaft auch zu AB0-Unverträglichkeiten kommen, die jedoch im schlimmsten Fall zu einer Neugeborenen-Gelbsucht und einer leichten Anämie führen können. Ebenso gibt es Unverträglichkeiten anderer Blutgruppensysteme wie z.B. Kell und Duffy, die ebenso nicht so tragisch verlaufen wie die Rhesusunverträglichkeit.

Blutgruppen und Charaktereigenschaften

In Japan hält man Berichten zufolge sehr viel von der These, dass Charaktere und Blutgruppen in enger Beziehung zueinander stehen. Der japanische Psychologe Furukawa Takeji (1891-1940) veröffentlichte 1927 zahlreiche Artikel zu diesem Thema. 1971 erschien darauf basierend ein Buch des Psychologen Nomi Masahiko „Kompatibilität nach Blutgruppe“. Ihm zufolge seien Menschen mit der Blutgruppe A von reservierter Natur, mögen die Planung, sind pünktlich und regelkonform. Personen mit der Blutgruppe B werden von ihm als kreativ und unabhängig, liberal und gesellig mit vielfältigen Hobbys und Interessen eingestuft. Besitzt jemand die Blutgruppe 0, so sei er kontaktfreudig und geschaffen als Anführer und Organisator, aber auch von sich eingenommen und eigensüchtig. Zeitgenossen mit der recht seltenen Blutgruppe AB seien effizient und rational, aber auch schüchtern und herablassend.

Die Behauptungen des Japaners können nicht wissenschaftlich belegt werden, diese Deutungen sind allerdings Berichten zufolge in seinem Heimatland und ebenso in Südkorea und Taiwan ähnlich beliebt wie die Charakterdeutungen anhand der Sternzeichen für die westliche Kultur.

In einem New Yorker Gefängnis wiederum wurde in den 20-iger Jahren des letzten Jahrhunderts herausgefunden, dass der Großteil der Häftlinge die Blutgruppe B besaß. Somit galt diese Blutgruppe lange als „Verbrecherblut“. In den 60-iger Jahren konnte die These allerdings widerlegt werden: Der Großteil der damals Eingesessenen waren Asiaten.

Blutgruppen und Ernährung

Die von dem US-Naturheilkundler Peter J. D´Adamo stammende Blutgruppendiät wird von vielen Seiten angezweifelt. Allen voran stellt ihm die Stiftung Warentest und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DEG) ein sehr schlechtes Zeugnis aus. D´Adamos Behauptungen zufolge verarbeitet der Mensch je nach Blutgruppe die Nahrung unterschiedlich. Zurückzuführen sei das auf die Lektine: Bestandteile der Nahrung, die den Blutgruppenmerkmalen ähneln. Esse man die „falschen“ Lektine, so könne es zur Verklumpung des Blutes kommen, die Krankheiten auslösen können. Ziel dieser Diät sei daher nicht vorrangig der Gewichtsverlust, sondern die Vorbeugung und gar Heilung von Krankheiten und um das Wohlbefinden zu steigern. D´Adamos Theorie zufolge sollten Menschen mit der Blutgruppe 0 Fleisch, aber kein Getreide und keine Milchprodukte essen, da 0 seiner Ansicht nach die älteste Blutgruppe sei und die ersten Menschen Jäger und Sammler gewesen seien, die keinen Ackerbau und keine Viehzucht betrieben hätten. Für deren Organismus sei daher der Fleischverzehr am gesündesten, auf Milch und Weizen sollte seiner These zufolge gänzlich verzichtet werden. Menschen mit der Blutgruppe A hingegen sollten vorwiegend Gemüse und Getreide essen, aber kein Fleisch und keine Milch zu sich nehmen, denn diese Menschen wären die ersten Bauern gewesen ohne Tiere zur Nahrungserzeugung. Personen mit der Blutgruppe B seien der Nomadentyp: Viehzüchter in Asien. Sie sollten ihm zufolge Milch, Fleisch und Getreide als Hauptlebensmittel wählen. Denjenigen mit der Blutgruppe AB rät D´Adamo wiederum, sich vorwiegend von Obst und Gemüse zu ernähren, da sie ein Produkt der Vermischung der Blutgruppen A und B in der jüngeren Zeit sind und somit den modernen Menschen symbolisieren.

Diese Thesen sind wie erwähnt wissenschaftlich nicht belegt, jedoch ist die Häufigkeit bestimmter Krankheiten bei gewissen Blutgruppen durchaus beobachtet worden, da sich manche Krankheitserreger auf das Blut mit bestimmten Blutgruppenmerkmalen spezialisiert zu haben scheinen. Die Blutgruppe A sei in etwa sehr für Pocken anfällig. In früheren Zeiten fielen vermehrt Menschen mit der Blutgruppe 0 der Pest zum Opfer; heute werden gehäuft Magengeschwüre bei Personen mit dieser Blutgruppe festgestellt. Die Blutgruppe A zeigt häufige Anfälligkeiten für verschiedene Krebsarten und für Herzinfarkte. Asthma ist vor allem bei Personen mit der Blutgruppe B zu beobachten. Die Ursachen dafür sind ungeklärt.